Konzentration

Wenn ich mich durch Abwehr von Ablenkung auf meinen Atem zu konzentrieren versuche, um das Ziel der Stille zu erreichen, dann ist es anstrengende Kopfarbeit. Es gleicht einem ungeduldigen Kampf aus Begierde und Ablehnung.
Es ist die Anspannung aus aggressivem Abwehren von unerwünschten Gedanken und begierigem Herbeisehnen von Stille.

Einfach das Ziel der Stille vollkommen loszulassen und mich geduldig und liebevoll immer wieder an meinen Atem zu erinnern, beendet den Kampf, der mich von der Stille trennt.

„Wird mit dem Gehirn konzentriert, treten Hitzegefühle und sogar Kopfschmerzen auf. Konzentration muss im Herzen erfolgen, das kühl und erfrischend ist. Entspannen Sie sich und Ihre Meditation wird einfach sein. Halten Sie Ihren Geist ruhig, indem Sie alle eindringenden Gedanken sanft abwehren – aber ohne Anstrengung – bald werden Sie Erfolg haben.“

Sri Ramana Maharshi

Flausen im Kopf?

Wenn du dich dafür entscheidest es mit Meditation einmal zu versuchen, kann es sein, dass dir jemand gesagt hat es sei gut für dich.
Natürlich ist es gut für dich, aber es ist vielleicht nicht dein wirklicher Entschluss, sondern du folgst möglicherweise nur einem gut gemeinten Rat.
Es könnte sein, dass du Meditation mit Unterhaltung und mit sofortigen Wirkungen verwechselst? Sei ehrlich!

Wenn du ein ambitionierter Bodyworker bist und fleißig deinen Körper an Geräten trainierst, kannst du Vergleiche ziehen, was dich in der Meditationspraxis erwartet.
Ja, es braucht Ausdauer, Entschlusskraft und Geduld. Ebenso wie Muskeln nicht über Nacht zu Paketen heranwachsen, so musst du auch deinen Geist mit Ausdauer, Entschlusskraft und Geduld trainieren, wenn sich etwas bewegen soll.
Stell dir einen Akrobaten vor! Wie oft wird er vom dünnen Seil herunter fallen, auf dem er irgendwann mit sicherem Schritt entlang spazieren will? Wieviel Geduld, Ausdauer und Entschlusskraft muss er aufbringen, bis er endlich, wie auf sicherem Boden, auf diesem Seil tanzen kann?!

Meditation ist nichts Schwieriges. Was es schwierig macht, ist vielleicht deine jahrelang gepflegte Gewohnheit dich abzulenken, ruhelos zu sein, dich nicht fest entschließen zu können und Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Es sind vielleicht die Hindernisse, die dich immer wieder in ähnliche Situationen führen.

Wenn du mit Meditation beginnst, kann es sein, dass dein Geist dich nicht zur Ruhe kommen lässt. Er benimmt sich wie ein junger Hund, der auf nichts hört und nur Unsinn im Kopf hat.
Wenn du auf diesen jungen Hund eingehst, dich ihm geduldig zuwendest, konsequent bist und seine Bedürfnisse und Ängste erkennst und verstehst und ihr beide eure Sprache verstehen lernt, könnt ihr ein wundervolles Team werden, das durch Dick und Dünn miteinander geht. Ihr schließt Freundschaft miteinander.

Meditation bedeutet Freundschaft mit sich selbst zu schließen. Das bedeutet liebevoll, geduldig, mitfühlend, ehrlich und verständnisvoll mit sich selbst zu sein.

Natürlich geht es nicht wie auf Knopfdruck. Es braucht Zeit und Übung und für den Anfang ist etwas korrekte Anleitung ganz enorm hilfreich.
Wenn du dann wirklich entschlossen sein solltest diese Reise nach innen anzutreten und konsequent dabei bleibst, wird sich ein Tor zu einer inneren Welt öffnen, zu der deine gewohnten Flausen immer seltener Zugang haben werden.
Du erlebst dich liebevoller, mitfühlender, ausgeglichener, sanftmütiger und friedvoller und du schöpfst zunehmend aus eigener Kraft und Klarheit und all das strahlst du aus.

Nein, Meditation setzt dir keine Flausen in den Kopf.
Sie kann dich zu dem wundervollen Wesen machen, das schon lange auf deinen Entschluss wartet.

Sprung ins Leere

Der nachfolgende Text stammt wahrscheinlich von Osho! Irgendwann hatte ich ihn kopiert, aber ich weiß nicht mehr wo.
Ist aber egal. Er ist richtig gut und trifft den Nagel auf den Kopf und deswegen erscheint der Text auch hier!

Quelle: Shlomi Platzman, Unsplash.com

„Wenn du eine Meditationsmethode übst, bedeutet das nicht, dass du meditierst. Vielleicht befindest du dich auf dem Weg dorthin.Die Methode ist ein Hilfsmittel, eine Krücke. Sie ist ein Transfer-Vehikel, das dich zur Meditation bringen kann.Möglicherweise wirst du das Vehikel nicht verlassen und dich weiter daran klammern.Im besten Fall wirst du den Weg mit der Methode auf dich nehmen, um dann in die Meditation zu springen. Dann ist das Vehikel nicht mehr notwendig. Du kannst es komplett vergessen.Es bedarf eines Willensaktes, die Methode zu verlassen und zu springen. Du springst ins Leere! Du lässt los!
Du gibst deine Sicherheiten auf, verlässt dich nicht mehr auf Absehbares.Wenn du Angst hast, wirst du dich anklammern und die Meditation töten.Wenn Du Annehmen und Loslassen für dich kultivieren kannst, bist du auf dem richtigen Weg des Vertrauens.Dann bist du wie ein Kind, das voller Vertrauen von seiner liebenden Mutter über die Straße geführt wird.
Wie ein Kind kannst du offen und neugierig sein. Das ist die beste Voraussetzung, um dich hingeben zu können.Meditation ist Hingabe, Offenheit, Neugierde, Vertrauen und Abenteuerlust.
Meditation ist eine abenteuerliche Reise. Gefährlich kann sie nur für die Pläne und Vorstellungen sein, die dein Kopf geschmiedet hat.Diese spirituelle Reise ist weitaus abenteuerlicher, als jede Reise, die du materiell übernimmst, denn alles was dir im Materiellen begegnet, wurde zuvor im Geist entwickelt.Auf deiner spirituellen Reise reist du zur Wurzel aller Dinge und du selbst bist ein wesentlicher Teil davon.
In der Meditation wirst du viele Aspekte deines Geistes kennen lernen. Deine Gedanken, Gefühle und Emotionen sind nur ein ganz winziger Ausschnitt dessen, was dein Geist im Ganzen ist.Letzten Endes ist dein Geist ein leerer Raum ohne Wände, in dem nur Liebe und Frieden vorhanden sind.Meditation zeigt dir, was Liebe und Frieden tatsächlich ist.“

Drei Komponenten der Aufmerksamkeit

In wissenschaftlichen Studien hat man Aufmerksamkeit in drei Komponenten aufgeteilt, die sich in Umgang und Ergebnis unterscheiden.

Exekutive Aufmerksamkeit beschreibt die Fähigkeit, trotz ablenkender Reize für Momente fokussiert bei einer Sache zu bleiben.
Dies geschieht z.B. bei der Samatha-Ruhemeditation, wenn sich Übende auf das Verfolgen der Atemtätigkeit konzentrieren und bei Ablenkung immer wieder zur Betrachtung des Atems zurückkehren.

Vigilanz beschreibt die Fähigkeit, trotz ablenkender Reize konsequent bei einer Sache zu bleiben. Vigilanz stellt sich für Übende der Samatha-Ruhemeditation nach längerer Übung ein.

Selektive Aufmerksamkeit beschreibt die Fähigkeit, unter einer Vielzahl von Reizen auszuwählen und selektiv kontrolliert von einem Reiz zum nächsten zu springen.
Dies geschieht z.B. bei der Stück-für-Stück-Meditation, bei der mit dem Prinzip des BodyScan nacheinander die einzelnen Bereiche des Körpers wahrgenommen werden.


Siehe „Achtsamkeit mitten im Leben“, B. Hölzel, C. Brähler, ab S. 46.

Ein kontemplativer Awareness-Walk

Kontemplation ist das passive, nicht interagierende Beobachten von Gedanken und inneren Bildern.

Ein Awareness-Walk (das meditative Gehen) findet zumeist und am besten in natürlicher Umgebung statt. Das bedeutet für meine Walks nahezu immer Wald oder waldnahe Wege. Dort ist die Luft am besten und das Zusammensein mit der Lebendigkeit der Umgebung ist am deutlichsten spürbar.

Kein Wunder, dass bei einem Awareness-Walk in guter Luft der Atem freier und und durch die Bewegung präsenter wird.

Immer wieder mischen sich vorüberziehende Gedankenfragmente und -ströme in die Wahrnehmung des Körpers und da sind auch sinnliche Reize aus Duft und Geräusch. Die Gedanken werden kontemplativ wahrgenommen. Sie tauchen auf und vergehen wieder so spurlos wie sie gekommen sind. Bei entspannt meditativen Waldspaziergängen verschieben sich die Gehirnwellenmuster in den Alpha-Zustand. Wir kommen in den „Flow“-Zustand.
Bisweilen können Visionen aus spontanen Bildern aus dem Nichts auftauchen, die mal weniger, aber auch mal eindrücklicher sein können, was bezeichnend ist für den Alpha-Wellenbereich.
So eindrücklich geschah es heute bei meinem Walk im nahe gelegenen Wald.

Spontan formiert sich das Bild meines Atems, der sich wie das Ein- und Ausatmen des ganzen Universums anfühlt. Es ist nicht nur einfach Luft, die ich atme. Es ist die Welt, die ich für einen Moment in mich aufnehme, um sie kurz darauf wieder zurück zu geben. Es ist pulsierendes Aufnehmen und Loslassen. Mit dem Puls meines Atems füge ich mich in den pulsierenden, schwingenden Prozess des Universums ein, der überall erkennbar ist – in den Tag- und Nachtzeiten, im Pumpen des Herzens, in Geburt und Tod…
Mein Körper ist in diesem Moment nicht mehr der Fels in der Brandung des Lebens, den ich sonst so wichtig nehme. Viel mehr fühle ich mich in das ein- und auströmende Universum eingebunden. Mein Körper ist nur ein zeitweiliges Vehikel, das mir in Liebe zur Verfügung gestellt wird.

Mit welcher Methode soll ich beginnen?

Freude und Bewegung

Sehr oft entschließen sich Menschen zu Meditations-Methoden, die ihnen attraktiv erscheinen, weil sie ein gewisses Maß an Unterhaltung und Abwechslung versprechen.
Solche Methoden, die meist mit Bewegung und Musik angeleitet werden, können als erster Schritt zur Innenschau, Selbstwahrnehmung, zur Stärkung des Körperbewusstseins und zum Lösen von energetischen Blockaden betrachtet werden.

Bildquelle: Ahmad Odeh, lizenzfreie Bilder auf unsplash.com


Von dem indischen Meister Osho (früher Bhagwan Shree Rajneesh) gibt es eine Vielzahl solcher Methoden (Dynamic Meditation, Kundalini-Meditation, Nadabrahma-Meditation, usw.)

Um einen tieferen Einstieg in Meditation zu bekommen, sollten Meditations-Methoden dann immer stiller und selbst-fokussierter werden. Das heißt, Sinnesreize sollten dem Geist nicht übermäßig zur Ablenkung angeboten werden und der methodische Ablauf sollte möglichst einfach gehalten werden.

Einfachheit, Konsequenz und Liebe

Einfachheit bedeutet hier, dass eine Meditations-Methode nicht mit komplexen Ritualen ausstaffiert ist, weil dadurch die Aufmerksamkeit nach außen auf die Form gerichtet ist und der Meditierende von sich selbst eher weg geführt wird.
Auch sehr einfache Meditations-Methoden besitzen das Potential, alle Möglichkeiten der Meditation auszuschöpfen, ebenso wie in einem Samenkorn bereits das volle Potential einer erwachsenen Pflanze enthalten ist.

Konsequenz bedeutet hier, dass Meditationspraxis nicht als sporadischer Lückenfüller betrachtet wird, sondern einen regelmäßgen und festen Platz im Leben einnimmt.
Meditation ist nichts Ernstes, aber es ist eine ernsthafte Wissenschaft des Geistes.

Wenn die Liebe fehlt, wird die Praxis zur Pflichtübung und sie wird keine Früchte tragen!
Die Liebe wird sich einstellen, wenn genügend Entschlusskraft und Geduld vorhanden sind, um konsequent bei einer regelmäßigen Meditationspraxis zu bleiben. Die ersten Erfolge, die sich in Form von Ruhe, Entspannung, Resilienz und Kohärenz vor allem auch im Alltag zeigen, werden der Liebe zur Meditation einen fruchtbaren Boden bereiten.

Die Wahl der Methode…

…kann zur Qual werden, denn es exisitieren Tausende von Methoden aus den unterschiedlichsten Traditionen und Kulturen.


Für Meditations-Neulinge, die sich gerne bewegen, ist der Blick nach innen auf Gefühle und Empfindung bei freiem Tanz oder meditativem Gehen (Awareness-Walk) ein guter Einstieg.


Für Bewegungsmuffel bieten sich einfache geführte Sitzmeditationen an, die entweder durch einen Meditationsleiter geführt werden oder von einer CD oder einem vergleichbaren Medium abgespielt werden.

Grundsätzlich kann bei der Wahl von Methoden gerne experimentiert werden. Die Auswahl ist groß und ein Wechsel ist jederzeit möglich.

Letztendlich sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass eine Methode um so besser ist, je einfacher sie zu üben ist. Wir benötigen dafür langfristig weder Räucherstäbchen, sphärische Klänge oder komplexe Körperübungen.
Je einfacher eine Methode ist, desto leichter kann sie auch in den laufenden Alltag mitgenommen werden, denn wir üben Meditation nicht zum Selbstzweck, sondern um in unserem Alltag davon Vorteile zu haben.
Die innere Entwicklung durch die Meditationspraxis fördert die äußere Entfaltung im Alltag.

Hier findest Du einen Überblick zu möglichen Mediations-Methoden, die ich selbst anbiete…

Weitere Links:

200 Meditations-Texte und Anleitungen zu Meditation bei
https://www.findyournose.com/anleitung-meditationen

Vier Grundlagen der Achtsamkeit

Die vier Grundlagen oder Arten der Achtsamkeit sind aus dem Buddhismus bekannt.
Ob solch eine Auflistung und Darstellung auch woanders zu finden ist, weiß ich nicht. Diese eine soll aber ausreichen.

Achtsamkeit auf

Körper (Kayanupassana)
Allgemeines Körperempfinden, Schmerz, Wohlgefühl.
Gefühl und Emotion (Vedananupassana)
Das momentane Gefühl in dieser Situation, vorherrschende Emotionen.
Die zugrunde liegende Stimmung (Cittanupassana)
Die grundsätzliche, subtile Stimmung.
Gedanken (Dhammanupassana)
Innere Bilder, Überzeugungen, Ansichten und Meinungen.

Die Betrachtung der vier Arten der Achtsamkeit entsprechen einem passiv betrachtenden Prozess der Kontemplation, während Meditation eine bewusst aktive Ausrichtung auf ein Meditationsobjekt ist.

Ganz klassisch wird Achtsamkeit mit der Konzentration auf die Bewegung des Atems geübt, wodurch sich alle geistigen Bewegungen beruhigen können.
Das ist eine gewollt einfache und wirkungsvolle Methode, welche die Achtsamkeit auf den Körper fokussiert. Die anderen Bereiche werden eher nur tangiert.

Die genannten „geistigen Bewegungen“, wie Körpergefühl, Emotionen, Gemütsstimmung und Gedanken, sind natürlich immer vorhanden. Bei der Methode der Atembetrachtung lerne ich weniger über sie, weil ich immer wieder zurück auf den Atem fokussiere. Auch werden sie nicht alle gleichermaßen und gleichzeitig bewusst wahrgenommen, sondern sie wirken oft aus dem Hintergrund, aber sie wirken! Mal ist das Eine präsenter, mal das Andere.
Wenn solch eine Bewegung im Tagesbewusstsein auftaucht, wird sie gewohnheitsmäßig bewertet, beurteilt und kommentiert. Der innere Zensor findet es dann gut, schlecht oder neutral was sich da zeigt und der Geist fragmentiert sich grob formuliert in „Ich“ und „das Andere“, wobei das „Andere“ dem entspricht was gerade auftaucht und bewertet wird.

Tatsächlich existieren „Ich“ und „das Andere“ als selbständige Formen nicht. Es sind Vorstellungen. Die verschiedenen geistigen Bewegungen, die in den vier Grundlagen der Achtsamkeit definiert werden, sind im Grunde nur eine einzige Geistesbewegung, die sich in unterschiedlicher „Schwingung“ darstellt. Es sei beispielhaft bildlich beschrieben als die selbe Form in veränderlicher Farbe oder die veränderliche Tonlage der selben Stimme.

Die vier Arten der Achtsamkeit kennen lernen

Da ist eine einfache meditative Methode, um die vier Arten der Achtsamkeit durch genaues Betrachten der vier Bereiche besser kennen zu lernen!

Ich veranschlage grundsätzlich eine gewisse Zeitspanne für meine Übung!
Vielleicht 30 Minuten, in denen ich – am besten in Meditationshaltung – nur für mich da bin.

Ich bin wach, offen und aufmerksam für mich selbst. Ich komme gewissermaßen zu Besuch zu mir selbst.

Ich rufe mir in Erinnerung, alles was in mir auftaucht, liebevoll und bewertungsfrei anzunehmen und im Geiste zu umarmen, eben so, wie eine liebende Mutter ihr Kind behandelt. Was in mir auftaucht, sind „meine Kinder“. Um es anschaulich zu machen, stelle ich mir vor, dass die vier Bereiche Familienmitglieder sind, die in vier Zimmern der selben Wohnung zusammen leben.

Ablauf

Zunächst „checke“ ich bei mir selbst ein, indem ich für ein paar Minuten aufmerksam meinen Atem begleite.

Dann wandere ich in meiner Wahrnehmung von Kopf bis Fuß durch meinen Körper und werde mir bewusst, wie er sich anfühlt.

Ich wechsele dann auf die Ebene von Gefühl und Emotion und stelle fest, welche vorherrschende Emotion oder welches Gefühl in diesem Moment präsent ist.

Als nächstes versuche ich aufmerksam wahrzunehmen, welche Grundstimmung zur Zeit in mir vorhanden ist. Das kann sehr subtil sein und wird sich vielleicht im ersten Moment nicht gleich zeigen. Das macht aber nichts.

Die wohl am einfachsten wahrzunehmende Ebene ist die der Gedanken, Bilder, Überzeugungen und Meinungen. Ich beobachte einfach entspannt, welche Gedanken und Bilder auftauchen. Es ist wie das Betrachten eines Films, ohne zu kommentieren.

Mit der zweiten Runde beginne ich wieder auf der Körperebene bis zur gedanklichen Ebene und kann nun feststellen, was sich in meinem Empfinden verändert hat.
Die Veränderlichkeit und Vergänglichkeit ist ein entscheidender Punkt bei der gesamten Übung.

Nachdem ich mich mit meinen vier Ebenen vertraut gemacht habe, warte ich für einige Momente ab, welche Ebene mich am deutlichsten zu einem „Dialog“ einlädt. Gewöhnlich werden es Gedanken und Bilder sein, die sich zunächst in den Vordergrund bringen. Ich kann aber auch bei einer anderen Ebene „nachfragen“, wie sie sich fühlt und meine Achtsamkeit dorthin verlagern.

Sehr wichtig in den Dialogen mit mir selbst ist ein liebevoller und freundlicher Umgang und aufmerksames „Zuhören“ und dann natürlich immer wieder die Wahrnehmung der Veränderungen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei mir selbst und versuche eine Gesamtsicht darauf entstehen zu lassen, wie es sich nun nach dieser Übung in mir anfühlt.


Geduld!

Geduld. Ja!! Bei fast jeder meiner Meditations-Events, die ich online oder in Präsenz veranstalte, sage ich, dass Geduld eine der wichtigsten Bedingungen ist, um Meditation erlernen und entwickeln zu können. Und auch ein „Ja!!“ für Friede, Gedeihen, Wachstum, für das Schöne und das Vertrauen. All das wird gebraucht und geschieht in der Meditation, wenn Stille einkehrt. Alles Erwähnte sind Kinder der Liebe, denn ohne Liebe entwickelt sich gar nichts!

Das Paradoxe dabei ist, dass die Liebe in ihrer wahren Form erst durch die Meditationspraxis gedeiht. Deshalb ist Geduld so immens wichtig!!

Metta

In der buddhistischen Psychologie werden 4 Herzensqualitäten beschrieben: Diese 4 Aspekte bilden die Basis für einen freundlichen Umgang mit allen Lebewesen. Diese 4 Aspekte sind aber auch die Voraussetzung für einen wohlwollenden Umgang mit uns selbst.

  1. Liebende Güte (Metta)Bezieht sich auf die innere freundliche Ausrichtung des Herzens.Wohlwollen, Freundlichkeit, nicht besitzergreifend, keine exklusive oder romantische Liebe. Das Gute im anderen Lebewesen erkennend.
  2. Mitgefühl (Karuna) entsteht, wenn liebende Güte auf Leid trifft. Da Leid zum Leben dazugehört, hilft es uns, anderen Lebewesen mitfühlend zu begegnen. Aus dem selbstverständlichen Wunsch heraus, dass es allen Lebewesen gut gehen möge, weil jedes Wesen etwas Gutes in sich trägt, wächst angesichts des Leids der Wunsch, dass alle Lebewesen frei von Leid sein mögen.
  3. Mitfreude (Mudita) um das Leben in seiner Gesamtheit zu erfahren, nehmen wir die schönen und freudvollen Erfahrungen bewusst wahr.(„zehntausend Freuden und zehntausend Sorgen„). Wir fokussieren auf unsere eigenen Stärken und guten Anteile, um uns am Wertvollen in anderen und an ihren Freuden mitzufreuen, anstatt sie zu beneiden.
  4. Gleichmut (Upekkha) wirkt dem natürlichen Drang entgegen, an Schönem festzuhalten und Unangenehmes vermeiden zu wollen. Aus einer tiefen Verbundenheit mit allem und aus dem tiefen Verständnis der Vergänglichkeit der Dinge, kann Gelassenheit und Urteilsfähigkeit entstehen, die alles mit offenem und gleichmütigem Herzen empfangen kann. Gleichmut ist weder Gleichgültigkeit, noch Passivität oder Resignation, sondern das Fundament für Ruhe und Gelassenheit, auf dem Liebe, Mitgefühl und Mitfreude gedeihen können.

Nutzen und Wirkung des Awareness-Walk

Awareness-Walk ist eine intensive Achtsamkeits-Übung als Teil der Geistesschulung.

Awareness-Walk ist keine „Trockenübung“, wie die methodische Atembetrachtung auf dem Meditationskissen, sondern dient der Integration von Achtsamkeit, Dankbarkeit, Mitgefühl und innerem Frieden in die Alltagspraxis. Man kann Awareness-Walk also als praktisch angewandte Meditation bezeichnen.

Die Resultate der Ruhe und der Einsicht in uns selbst, die wir beim geduldigen Üben auf dem Meditationskissen ernten, können wir beim Awareness-Walk ganz direkt in die Praxis umsetzen.

Die Variante des Awareness-Walk, die ich anleite, ist in 4 aufeinander aufbauende Phasen unterteilt, die Aspekte der aus dem Theravada-Buddhismus bekannten Stück-für-Stück-Methode und der Liebende-Güte-Meditation als praktische Anwendung enthalten.

Das bedeutet, dass Körperbewusstsein und Mitgefühl geübt und entwickelt werden.
Insbesondere was das Mitgefühl anbelangt, vermindern wir ganz entscheidend unsere Selbstbezogenheit und unser Gefühl des Abgetrenntseins durch eine mitfühlende innere Haltung und durch die betont achtsame Weise unserer Bewegungen und wir entwickeln dadurch eine herzliche Verbindung zu unserer Umgebung, wie auch zu uns selbst.

Awareness-Walk praktiziere ich fast ausschließlich im Wald und so biete ich es auch für meine Teilnehmer bei offiziellen Kursen an.
Aufenthalt und Bewegung im Wald hat für das Immunsystem eine beachtliche, gesundheitsfördernde Wirkung!
Ebenso, wie unser Immunsystem in Beziehung zur Außenwelt steht, so stehen die vielfältigen Lebensformen des Waldes untereinander in Beziehung. Die Wissenschaft weiß, dass Pflanzen über Duftstoffe miteinander in Kommunikation stehen. Sehr viele Duftnoten, die als Terpene aus der Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe bekannt sind, wurden mittlerweile identifiziert.
Wenn wir diese Terpene einatmen, stärken sie unser Immunsystem.
Dass z.B. in Japan Kliniken und Therapiezentren (shirin-yoku, „Einatmen der Waldatmosphäre“) im Wald eingerichtet werden, ist ein Hinweis darauf, dass Wald gesundheitsförderne Wirkung hat.
Bei uns ist daraus der Begriff „Waldbaden“ entstanden.

Hier findest Du eine Beschreibung des Ablaufs für den Awareness-Walk.