Gefahren und Probleme durch Meditation

2 Gefahren und Problemquellen können durch Meditation auftauchen:

  1. der Meditierende selbst
    Meditation verändert Körper und Geist und dies nicht nur für die Zeit während den Meditationssitzungen, sondern vor allem auch für das gesamte Alltagsleben.Meditation verändert den Lebensstil und passt Gewohnheiten neu an.Der Meditierende sollte sich daher darüber bewusst sein, dass für ihn möglicherweise ein veränderter Lebensstil bevorsteht.Wenn seelische Krankheiten vorhanden sind, können sich diese durch Meditation verschlimmern, sofern sie nicht erkannt werden. Allerdings ist Meditation bei seelischen Erkrankungen ein sehr guter Begleiter auf dem Weg zur Heilung, sofern fachliche Hilfe mit hinzugezogen wird.Problematisch ist es, wenn  Meditation als Flucht vor den Herausforderungen des Lebens benutzt wird.Meditation wird nämlich genau das Gegenteil bewirken: die Probleme treten durch Meditation verstärkt in den Fokus. In dieser Weise sollten sie als Chance verstanden werden. Meditation ist kein Betäubungsmittel.
  2. der Lehrer
    Ein Meditationslehrer sollte
    – ausreichende Fähigkeiten und Wissen zu seelischer Gesundheit und Psychohygiene haben,
    – verständnisvoll und geduldig sein,
    – gut zuhören können,
    – sich seiner eigenen Probleme bewusst sein und diese nicht in seine Unterweisungen einfließen lassen,
    – Vorbild sein,
    – viel Erfahrung mit Meditation haben.

Meditation ist keine bessere Entspannungstechnik, sondern geht sehr tief und beeinflusst das gesamte Leben. Es bedarf also einer klaren Entscheidung und eines sorgfältigen Abwägens, ob man Meditation zu diesem Zeitpunkt und unter den bestehenden Voraussetzungen beginnen möchte.Motivation und Erwartung sollten genau geprüft werden.

Was ist Meditation? [4] Sprung ins Leere

Wenn du eine Meditationsmethode übst, bedeutet das nicht, dass du meditierst. Vielleicht befindest du dich auf dem Weg dorthin.
Die Methode ist ein Hilfsmittel, eine Krücke. Sie ist ein Transfer-Vehikel, das dich zur Meditation bringen kann. Möglicherweise wirst du das Vehikel nicht verlassen und dich weiter daran klammern.
Im besten Fall wirst du den Weg mit der Methode auf dich nehmen, um dann in die Meditation zu springen. Dann ist das Vehikel nicht mehr notwendig. Du kannst es komplett vergessen. Es bedarf eines Willensaktes, die Methode zu verlassen und zu springen. Du springst ins Leere! Du lässt los!

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Du gibst deine Sicherheiten auf, verlässt dich nicht mehr auf Absehbares.
Wenn du Angst hast, wirst du dich anklammern und die Meditation töten.
Wenn Du Annehmen und Loslassen für dich kultivieren kannst, bist du auf dem richtigen Weg des Vertrauens. Dann bist du wie ein Kind, das voller Vertrauen von seiner liebenden Mutter über die Straße geführt wird.
Wie ein Kind kannst du offen und neugierig sein. Das ist die beste Voraussetzung, um dich hingeben zu können.
Meditation ist Hingabe, Offenheit, Neugierde, Vertrauen und Abenteuerlust.
Meditation ist eine abenteuerliche Reise. Gefährlich kann sie nur für die Pläne und Vorstellungen sein, die dein Kopf geschmiedet hat.
Diese spirituelle Reise ist weitaus abenteuerlicher, als jede Reise, die du materiell übernimmst, denn alles was dir im Materiellen begegnet, wurde zuvor im Geist entwickelt.
Auf deiner spirituellen Reise reist du zur Wurzel aller Dinge und du selbst bist ein wesentlicher Teil davon.
In der Meditation wirst du viele Aspekte deines Geistes kennen lernen. Deine Gedanken, Gefühle und Emotionen sind nur ein ganz winziger Ausschnitt dessen, was dein Geist im Ganzen ist.
Letzten Endes ist dein Geist ein leerer Raum ohne Wände, in dem nur Liebe und Frieden vorhanden sind.
Meditation zeigt dir, was Liebe und Frieden tatsächlich ist.

Der Mönch am Brunnen

Eines Tages kamen zu einem alten Mönch einige Menschen. Sie fragten ihn: „Was ist der Sinn von Stille und Meditation, für den du und deine Brüder stehen?“
Der Mönch war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt.

Bild: „Call Me Fred“, Unsplash.com


Er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Leute blickten in den tiefen Brunnen und antworteten: „Wir sehen nichts!“
Der Mönch stellte seinen Eimer ab. Nach einer kurzen Weile forderte er die Besucher noch einmal auf: „Schaut in den Brunnen! Was sieht ihr jetzt?“
Die Leute blickten wieder hinunter. „Jetzt sehen wir uns selbst!“
„Ihr konntet nichts sehen, weil das Wasser unruhig war wie euer Leben. Nun aber ist es ruhig. Das ist es, was uns die Stille schenkt: man sieht sich selbst.“
Dann gebot der Mönch den Leuten, noch etwas zu warten. Schließlich forderte er sie auf: „Und nun: Schaut noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?“
Die Leute schauten hinunter. „Jetzt sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“
Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“

Einstellung zur Meditation und Übungsweg

Als viel wichtiger als die vielen verschiedenen Methoden, die im Laufe der Zeit entstanden sind, empfinde ich die Einstellung zur Meditation und die klare Einstellung zum gesamten Übungsweg.

Ob aktive Methoden, die man vor allem bei Osho findet oder stille Methoden, die vor allem in der buddhistischen Tradition geübt werden – es sind nur Methoden und sie sind niemals die Meditation. Es sind lediglich Krücken, Hilfsmittel, die dabei helfen, die Erfahrung der Meditation in den Bereich des Möglichen zu bringen.

Im Grunde sind Methoden gar nicht notwendig. Meditation ist ein Geisteszustand oder vielmehr ein Prozess, in den unser Geist auch ohne Methoden finden kann. Aber Methoden sind nun mal sehr hilfreich und erleichtern den Übungsweg. Für viele dürfte es sogar ausgesprochen schwierig sein, ohne Methoden jemals Meditation zu erleben.

Also: Methoden sind, obwohl sie sehr hilfreich sind, sekundär. Schließlich kann man die Methoden im Laufe der Zeit wechseln. Sie sind austauschbar.

Primär wichtig sind die Einstellung zu Meditation und der klar strukturierte Übungsweg.
Was die Einstellung zur Meditation angeht, so ist zu beachten, dass es nicht ohne Geduld und Beharrlichkeit funktionieren wird!

Niemand lernt Meditation von heute auf morgen

Viele sind gewohnt, dass in unserer modernen Welt alles auf Knopfdruck und sofort passieren muss. Nicht bei der Meditation!
Unser Nervensystem, mit dem unser Geist kooperiert, ist wie ein Muskel. Auch der muss trainiert werden, wenn er wachsen soll.
Man kann auch das Beispiel eines Kindes nehmen, das nicht aus der Wiege aufsteht und sofort los läuft. Es wird erste Versuche machen und lange brauchen, bis die ersten Schritte möglich werden. Das schafft Motivation und Antrieb und die Schritte werden mit der Zeit immer sicherer.
Mit der Meditationspraxis ist es nicht anders.

Wenn wir stille Meditationsübungen machen und dabei den Atem als Meditationsobjekt nutzen, wird unser Geist am Anfang immer wieder ausbrechen und sich in Gedanken verlieren. Das ist vor allem am Anfang ganz natürlich. Das Einzige, was hilft, ist die Achtsamkeit immer wieder und wieder zum Atem zurück zu bringen.
Wer sehr ungeduldig ist, wird daran vielleicht verzweifeln und die Praxis aufgeben. Das ist nicht selten.

Willenskraft und Geduld sind gefragt!

Ohne den starken Willen bei der Übung zu bleiben und ohne Geduld mit sich selbst, ist Meditation komplett unmöglich. Wer die Willenskraft aufbringt und Geduld hat, wird Erfolge haben. Das ist das Einzige, was garantiert werden kann.
Dabei ist es vollkommen nutzlos, sich mit Methoden abzugeben, die nur unterhaltsam sind und den Geist munter beschäftigen. Auf diese Weise halten wir ihn in der gewohnten Ruhelosigkeit und Ablenkbarkeit, die wir eigentlich loswerden wollen.
Meditation ist kein Unterhaltungsprogramm. Es ist ernsthafte Geistesschulung.

Ebenso wichtig wie die richtige Einstellung, ist ein klar strukturierter Übungsweg. Unser Geist ist gewissermaßen ein Gewohnheitstier. Er ist lernfähig und willig, aber wir müssen ihm zeigen, was wir von ihm wollen. Das geht nur durch beharrliche und regelmäßige Übung.

Wenn wir regelmäßig üben, wird sich unser Geist immer schneller und bereitwilliger in die geübte Praxis einfinden. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die so unüberwindlich erschienen, werden immer seltener und haben kaum noch Gewicht. Am besten geht das, wenn wir regelmäßige feste Meditationszeiten haben, zu denen wir uns verpflichten. Sehr hilfreich ist es dabei, in der Gruppe zu meditieren. So können wir uns gegenseitig anspornen und bei der Stange halten.

Die Wirkung der regelmäßigen Meditationspraxis wird uns erstaunen

Was auf dem Meditationskissen geübt wird, bleibt nicht dort. Die Wirkung unserer Übungen verlassen den Meditationsraum und wir finden sie im Alltag wieder.
Es ist also nicht nur so, dass wir mit der Zeit immer besser und schneller in die Meditation finden, sondern wir können feststellen, dass wir mit einem gesammelten Geist im Alltag ruhiger, konzentrierter, bewusster und gleichmütiger werden. Wir können sogar feststellen, dass uns Emotionen, Sorgen und Ängste nicht mehr so schnell fortreißen. Wir ruhen in uns selbst.

Meditation ist eine Lebenseinstellung

Meditationskurse zu besuchen, ist sehr inspirierend und motivierend. Aber was nutzt es, wenn wir alle paar Jahre solch einen Kurs besuchen, aber in der Zeit dazwischen nur der ganz normale Alltag stattfindet?
Meditation wird nur reife Früchte tragen, wenn sie einen festen Platz in unserem Leben einnimmt.
Natürlich hat das mit Vertrauen zu tun, denn wir müssen darauf vertrauen, dass Meditation große Vorteile für unser Leben hat.

Selbstverständlich wird unser Vertrauen belohnt werden, wenn wir üben und nicht nachlassen! Wir werden uns in einem ganz neuen Lebensgefühl wiederfinden und dabei einen sehr viel besseren Umgang mit uns selbst und der Welt erleben.

Das Leben schenkt uns mit einem wunderbaren Geist die Chance auf erfüllte und glückliche Momente, aber wir müssen die Chance nutzen und uns dieses Leben mit Geduld und Willenskraft erarbeiten.

Meditation, Yoga & Co in Krisenzeiten

Die unglaubliche Wirksamkeit von Entschlossenheit

Bildquelle: Zac Durant, lizenzfreie Bilder auf Unsplash.com

Als ich meinen tibetischen Meditationslehrer das erste Mal traf, konnte ich hinter seinem herzlichen Lächeln noch nicht die wohlwollende Strenge erkennen, die uns Adepten in den Kursen später zuteil wurde.

Er forderte uns, ließ uns unsere Grenzen spüren, wenn wir über das gewohnte Maß hinaus lange in Meditationshaltung verharren sollten.
Ich hörte meinen Geist innerlich lautstark Widerstand schreien und spürte die brennenden Beschwerden meines Körpers.

Nein, es war nicht seine Absicht uns zu quälen. Ganz im Gegenteil wollte er uns die Chance geben, einen inneren Sprung in noch unbekanntes Terrain zu machen, auf dem wir die Rohform der Fähigkeiten finden würden, die wir nie gesucht hatten. Fraglos war ich damals ein Meister der Ablehnung und unsicher in Bezug auf meine Stärken und Möglichkeiten.

Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass Willenskraft und Entschlossenheit unabdingbare Aspekte auf dem spirituellen Pfad sind und ich weiß jetzt auch, dass der spirituelle Pfad nicht abseits der Alltagswege verläuft, sondern genau dort und es auf dem Weg nur auf die Art der eigenen Haltung und Bewegung ankommt. Es kommt nur auf uns selbst an.

Schwierige Zeiten lassen uns Entschlossenheit und innere Stärke entwickeln.

Dalai Lama

Immer hatte ich Artisten bewundert, die auf einem kaum fingerdicken Seil balancieren und mich gefragt, wie viel Selbstvertrauen, Mut, Willenskraft und Entschlossenheit dazu gehören, um das zu schaffen. Ich habe mich gefragt, wie oft sie immer wieder neu auf das Seil steigen mussten, wie lange sie üben mussten, bis es das erste Mal klappte.

Wir alle können viel mehr, als wir glauben. Es braucht nur Willenskraft und Entschlossenheit etwas zu erreichen und die Gewissheit, dass wir üben müssen.

Entschlossenheit im Unglück ist immer der halbe Weg zur Rettung.

Johann Heinrich Pestalozzi

Für die Methoden der Meditation und des Yoga ist es nicht anders.
Natürlich ist es notwendig zu wissen, wohin man damit will. Was könnte mich dazu bewegen zu meditieren oder Yoga-Asanas zu üben? Was für den einen etwas mehr an Ruhe und Entspannung ist, das ist für den anderen etwas mehr an Einsicht in sich selbst und damit einhergehend die Möglichkeit, die Belange und Prozesse des persönlichen Lebensalltages zu verändern.

Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.

Buddha

Und tatsächlich verändern wir unser Leben dadurch, dass wir uns zur Meditation setzen oder auf der Yogamatte üben. Die Früchte unserer Übung bleiben nicht an der Oberfläche, sondern reifen tief in uns hinein. Wir spüren und erleben es, dass wir damit nicht nur unseren Körper entspannen, sondern innere Kräfte und Potentiale mobilisiert werden, die bisher brach lagen. Wir merken es im Umgang mit uns selbst und im Umgang mit unserer Umgebung.

Rupa Jhanas

Wer sich innere Ruhe und Frieden wünscht, wird irgendwann wahrscheinlich einmal daran denken Meditation auszuprobieren.

Das klingt ja alles ganz toll, exotisch und mystisch.
Die initiale Begeisterung wird bei vielen allerdings schnell ausgebremst, weil der Geist – um den es dabei maßgeblich geht – einfach nicht das machen will, was man sich so vorgestellt hat. Der spaziert lustig von einem Gedanken zum nächsten und erzählt Geschichten und hat die tollsten Ideen, um sich abzulenken. Eine Teilnehmerin erzählte mir mal, dass ihr Geist während unserer Meditationssitzung die Einkaufsliste für die gesamte Woche zusammengestellt hatte. Von der Konzentration auf den Atem keine Spur.
Ein untrainierter Geist ist wie ein junger Hund, der lebenslustig seine Umgebung erkundet und seinen Besitzer mitunter zur Verzweiflung bringt.

Ja, es geht um Konzentration, was vielen Menschen ungeheuer schwer fällt. Eigentlich kein wirkliches Wunder, wenn man sich daran erinnert, wie viel Ablenkung und Reizüberflutung unsere Welt doch zu bieten hat.

Konzentration und Meditation?
Schließt sich das nicht aus? Stimmt, es ist nicht das Selbe. Konzentration ist ein Hilfsmittel, das behilflich ist, in die Meditation hinein zu finden.
Vielleicht ist der Vergleich mit dem jungen Hund ganz passend, den man an die Leine nimmt, damit er da bleibt. Die Leine steht für die Konzentration auf das Meditationsobjekt. Das kann die Bewegung des Atems sein oder die Bewegung des Körpers bei aktiven Methoden oder einfach Körperempfindungen, auf die man sich konzentriert. Hauptsache ist, dass der Geist nicht auf Wanderschaft geht.

Kommen wir mal zum Titel dieses Beitrags

Rupa Jhanas sind die ersten vier meditativen Vertiefungen. Rupa ist ein Pali-Wort und bedeutet Körper. Jhanas sind die Vertiefungen oder Versenkungen.
Die Rupa Jhanas sind die ersten vier Stufen, in denen der Körper emotional und sensorisch für die meditative Erfahrung noch eine Rolle spielt.
Insgesamt gibt es acht Stufen, in denen der Geist von der ersten bis zur achten immer feinstofflicher und subtiler wird. Im Verlauf klärt sich das Bewusstsein von Gedanken, es wird ruhiger, reiner und zeitloser. Es vermittelt das Erleben von Hier und Jetzt, um es mal ganz plakativ auszudrücken.

Die erste Stufe ist überhaupt erst der Eintritt in die Meditation. Vorher ist alles nur Konzentration auf die Methode.

Bis zum Eintritt in die erste Stufe findet noch keine Meditation statt.
Dass man die erste Stufe erlangt, merkt man daran, dass sich ein wunderschönes, entzückendes Körpergefühl einstellt. Dafür gibt es auch ein Pali-Wort: Piti. Es bedeutet Entzücken oder auch Interesse.
Die Übersetzung mit Interesse finde ich dabei besonders treffend, weil ab hier wirklich ein Interesse an der Meditation geweckt wird, was wissenschaftlich begründet an der Dopamin- und Noradrenalin-Ausschüttung liegt. Es entschädigt für die Mühen des Konzentrierens und Trainierens des Geistes und es vermittelt die Gewissheit für eine wunderbare Reise zu den Potentialen menschlichen Geistes.

Die zweite Stufe bringt die Freude

Freude ist eine Emotion, die normalerweise von Bedingungen abhängig gemacht wird. In dieser Phase der Meditation braucht es keinen Grund, um Freude zu empfinden. Sie geschieht einfach bedingungslos.
Hier werden Entspannungszustände tiefer und gehen über die rein körperliche Entspannung hinaus. Der Unterschied zu Entspannungstechniken wird hierbei deutlich. Auch Unternehmungsgeist, Klarheit und Frische verstärken sich.

Die dritte Stufe bringt tiefste Zufriedenheit

Wenn die ersten beiden Stufen noch eine gewisse Erregtheit in sich haben, tritt diese nun in den Hintergrund und führt in ein Gefühl tiefster Zufriedenheit. Dies wird möglich, weil der Geist sein natürliches Sehnen nach Freude befriedigen konnte und nun loslassen, sich entspannen und zufrieden sein kann.
Durch verringerte äußere Reize in dieser sehr stillen Phase sucht das Unbewusste nach Orientierung und Sinn. Dabei können Illusionen, wie Lichtpunkte, Farben und Formen vor dem inneren Auge entstehen, die aber keine Bedeutung haben.

Die vierte Stufe bringt die Stille

In der vierten Stufe haben Körpergefühl, Freude und Zufriedenheit keine Bedeutung mehr. Hier breitet sich eine tiefe, wunschlose Stille aus, für die es weder Grund noch Ursache gibt. Es ist die Vertiefung von Zufriedenheit, in der nur noch schemenhaft Gedankenformen auftauchen können, die aber bezugslos sind.

Freude

Freude ist vom ersten bis zum letzten Atemzug ein unauslöschliches Merkmal des Lebens. Sie ist immer in mir, in jedem Moment, an jedem Ort.

Bildquelle: Allef Vinicius, lizenzfreie Bilder auf unsplash.com

Gewöhnlich schläft die Freude, wenn der Geist mit äußeren Gegebenheiten, diskursivem Denken und Ängsten beschäftigt ist und sie wird dann nur in Abhängigkeit von äußeren Bedingungen geweckt. Sind die Bedingungen vergangen, schläft die Freude wieder ein.

Freude hat mit meinem Geist zu tun. Er erkennt und weiß das, worauf ich ihn richte. Richte ich ihn fokussiert nach innen, was z.B. durch bestimmte meditative Methoden möglich ist, dann kann er die Freude in mir entdecken, erkennen und erleben, ohne dass äußere Bedingungen dafür notwendig sind!
Es ist bedingungslose Freude, die durch eigene Kraft von innen nach außen strahlt und – wie ein Reinigungsagent – Ängste und zweiflerische Gedanken vertreibt, den Mut mobilisiert und die Liebe erwärmt.

Das Beste ist in uns. Es ist ein Schatz, den wir entdecken und heben können, um ihn uns selbst und der Welt zu schenken.

Achtsamkeit und Gewahrsein

Achtsamkeit und Gewahrsein scheinen auf den ersten Blick das Gleiche zu sein.
Es gibt aber einen kleinen, aber wichtigen Unterschied.


Achtsamkeit

Wenn wir achtsam sind, dann sind wir vollkommen mit unserer aktuellen Handlung identifiziert. Es ist die „Einspitzigkeit“, die Punktgenauigkeit der Wahrnehmung auf das was wir gerade tun oder erleben.Ich kann achtsam sein, wenn ich Geschirr spüle oder Wäsche zusammen lege. Dabei bin ich konzentriert achtsam auf die Bewegungen meiner Hände.In diesem Sinne beschreibt Achtsamkeit einen sehr engen Bereich der Wahrnehmung, der aber äußerst konzentriert ist.


Gewahrsein

Gewahrsein ist auch eine Achtsamkeit, die aber über die oben genannte Punktgenauigkeit hinaus geht. Im Gewahrsein nehmen wir beim Geschirrspülen nicht nur die Bewegung unserer Hände wahr, sondern nehmen auch die Temperatur des Wassers wahr, nehmen die Geräusche des Geschirrs und andere Geräusche um uns wahr und auch unsere unmittelbare Umgebung.Im Gewahrsein erhalten wir eine Gesamtsicht auf die jeweilige Situation. Im Gewahrsein liegt der Beginn der Einsicht (Vipassana) in die gesamte Situation.

Was ist Meditation? [2]

Meditation ist etwas sehr Gewöhnliches

Viele Menschen glauben, dass Meditation immer mit mystisch transzendenten Erfahrungen zu tun haben muss.
Das kann natürlich irgendwann geschehen, aber die meditative Realität für die allermeisten Menschen sieht dann doch sehr viel gewöhnlicher aus und das ist keineswegs schlimm, sondern völlig in Ordnung.

Aufnahme im Buddha-Museum Traben-Trarbach (2016)

Oft wird gefragt, woran man merkt, dass man meditiert?
Die Frage ist schnell beantwortet.
Man meditiert, sobald man sich bewusst ist, welche Gedanken, Gefühle, Emotionen und Empfindungen gerade wahrgenommen werden, ohne dass man damit interagiert. Es ist ein offener, wahrnehmender Zustand, ohne sich selbst dazu in Bezug zu setzen.

Der Buddha soll mal einen seiner Zuhörer während eines Vortrags gefragt haben, ob er sich bewusst sei, dass sich seine große Zehe ständig bewegt?
Der Zuhörer muss sehr erstaunt gewesen sein, denn er war sich dieser Bewegung nicht bewusst. Also war er nicht in Meditation.

Ohne Achtsamkeit gibt es keine Meditation!„, war ein Ausspruch, den man von Ayya Khema (buddhistische Nonne der Theravada-Tradition) sehr oft hören konnte.
Achtsamkeit bedeutet auf sich selbst aufpassen oder gewahr sein, was in einem gerade passiert.
Besonders achtsam bin ich, wenn ich einen Moment innehalte und in mich schaue! Dann werde ich vielleicht wahrnehmen, dass da gerade ein Gedanke auftaucht oder mir wird meine Grundstimmung bewusst, die ich schon den ganzen Tag mit mir herumtrage.

Das sind Geistesformationen, die leicht aufgespürt werden können. Sie sind ganz an der Oberfläche. Natürlich gibt es Menschen, die sich auch damit etwas schwer tun.
Je mehr ich Achtsamkeit übe, desto mehr wird es der Betrachtung eines Bildes als Ganzes entsprechen, anstatt der Betrachtung einzelner Details, die voneinander getrennt sind. Die Betrachtung des Ganzen kommt nach und nach.

Meditation geht aber noch weiter. Viel weiter!
Die oberflächlichen Geistesformationen aus Gedanken, Gefühlen, Empfindungen und Emotionen gleichen den Wellen auf einem See. Ich schaue hin und sehe die Wellen, aber ich kann noch nicht unter die Oberfläche schauen. Im übertragenen Sinn sind das meine Alltagsgedanken, Gefühle, Reaktionen und Empfindungen.
Sobald sich der See beruhigt hat, kann ich in die Tiefe schauen und erkennen, was dort alles vorhanden ist. Die Ruhemeditation (Samatha) beruhigt das oberflächliche Kräuseln. Die Einsichtsmeditation (Vipassana) bringt tiefere Erkenntnisse zur Wirkungsweise des Geistes.

Das bedeutet also, die oberflächlichen Formationen meines Geistes zu beruhigen, um in seine tieferen Sphären vordringen zu können.
Auch dort bewegen sich Gedanken und Gefühle, aber sie werden – je tiefer ich vordringe – immer feiner und subtiler. Oft sind es sinnlos anmutende Gedankenfetzen, Fragmente von Gedanken und Gefühlen, die kurz aufblitzen und wieder verschwinden. Da werden auch Bilder sein, Gesichter und Landschaften, die mir fremd erscheinen können. Der Geist ist auch in der Tiefe aktiv.
Je tiefer ich meinen Geist erkunde und wahrnehme, desto deutlicher werden mir die 3 grundsätzlichen Merkmale des Daseins erscheinen. (1) Ich werde erkennen, dass alles vergänglich ist. Kein Gedanke, kein Gefühl und keine Situation bleibt. (2) Alles hat das Potential Leid zu erzeugen, indem etwas Erfreuliches vergeht oder etwas Unerfreuliches zu mir kommt. (3) Nichts entsteht und besteht aus sich selbst.

Je tiefer ich vordringe, desto ruhiger wird es werden, bis sich irgendwann eine entzückende, friedliche Stille als erste Stufe der Meditation einstellt.
Bis zur Erleuchtung, so ist es vom Buddha überliefert, gibt es acht Stufen zu durchlaufen.

Kontemplation

Grundsätzlich ist Kontemplation von Meditation kaum zu unterscheiden. Beides ist eine geistige Hinwendung nach Innen. Unterschiede gibt es nur im Detail.

In der Meditation öffne ich meinen Geist nach innen, nehme die Geistesformationen wahr, wie Gedanken, Gefühle und Emotionen und lasse sie vorüberziehen ohne mich darin zu verstricken.
Im Laufe der Übung beruhigt sich mein Geist und die geistigen Formationen werden weniger, unscheinbarer und weniger konkret, bis sich eine „angrenzende Sammlung“ einstellt – wie Buddhisten den Zustand nennen, bei dem Gedanken nur schemenhafte und kaum wahrnehmbare Besucher im Hintergrund meines Geistes sind.
Von hier aus sinkt mein Geist in Sphären, in denen zunehmend Klarheit, Intuition und inneres Wissen wahrnehmbar werden. Am Ende steht eine wohltuende Leere, die gleichzeitig als absolute Fülle wahrgenommen wird.

In der Kontemplation gelange ich ebenfalls zu Klarheit, Intuition und Wissen. Im Unterschied zur Meditation binde ich den Prozess der Hinwendung nach Innen aber an ein Thema, in das ich mich hinein versenken möchte.
Ich betrachte das Thema und lasse Gedanken, Gefühle und Emotionen dazu auftauchen und verfolge den Prozess wie ein Zuschauer, der einem Film folgt. Auf diese Weise kann ich meine persönliche Position zum Thema erkennen, so wie die Bedeutung und den Wahrheitsgehalt des Themas.
Kontemplation bedeutet nicht Nachdenken. Es ist kein aktiver, kein argumentativer Prozess. Es ist zunächst eher eine Art Brainstorming.
Im Ablauf der Übung beruhigen sich die vordergründigen Gedanken, Gefühle und Emotionen und mein Geist wird das Thema intuitiv erfassen und Zugriff auf die Weisheit erhalten, die abseits meines persönlichen Wissens in Verbindung mit universellem Wissen steht.