Was ist Meditation? [4] Sprung ins Leere

Wenn du eine Meditationsmethode übst, bedeutet das nicht, dass du meditierst. Vielleicht befindest du dich auf dem Weg dorthin.
Die Methode ist ein Hilfsmittel, eine Krücke. Sie ist ein Transfer-Vehikel, das dich zur Meditation bringen kann. Möglicherweise wirst du das Vehikel nicht verlassen und dich weiter daran klammern.
Im besten Fall wirst du den Weg mit der Methode auf dich nehmen, um dann in die Meditation zu springen. Dann ist das Vehikel nicht mehr notwendig. Du kannst es komplett vergessen. Es bedarf eines Willensaktes, die Methode zu verlassen und zu springen. Du springst ins Leere! Du lässt los!

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Du gibst deine Sicherheiten auf, verlässt dich nicht mehr auf Absehbares.
Wenn du Angst hast, wirst du dich anklammern und die Meditation töten.
Wenn Du Annehmen und Loslassen für dich kultivieren kannst, bist du auf dem richtigen Weg des Vertrauens. Dann bist du wie ein Kind, das voller Vertrauen von seiner liebenden Mutter über die Straße geführt wird.
Wie ein Kind kannst du offen und neugierig sein. Das ist die beste Voraussetzung, um dich hingeben zu können.
Meditation ist Hingabe, Offenheit, Neugierde, Vertrauen und Abenteuerlust.
Meditation ist eine abenteuerliche Reise. Gefährlich kann sie nur für die Pläne und Vorstellungen sein, die dein Kopf geschmiedet hat.
Diese spirituelle Reise ist weitaus abenteuerlicher, als jede Reise, die du materiell übernimmst, denn alles was dir im Materiellen begegnet, wurde zuvor im Geist entwickelt.
Auf deiner spirituellen Reise reist du zur Wurzel aller Dinge und du selbst bist ein wesentlicher Teil davon.
In der Meditation wirst du viele Aspekte deines Geistes kennen lernen. Deine Gedanken, Gefühle und Emotionen sind nur ein ganz winziger Ausschnitt dessen, was dein Geist im Ganzen ist.
Letzten Endes ist dein Geist ein leerer Raum ohne Wände, in dem nur Liebe und Frieden vorhanden sind.
Meditation zeigt dir, was Liebe und Frieden tatsächlich ist.

Der Mönch am Brunnen

Eines Tages kamen zu einem alten Mönch einige Menschen. Sie fragten ihn: „Was ist der Sinn von Stille und Meditation, für den du und deine Brüder stehen?“
Der Mönch war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt.

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Er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Leute blickten in den tiefen Brunnen und antworteten: „Wir sehen nichts!“
Der Mönch stellte seinen Eimer ab. Nach einer kurzen Weile forderte er die Besucher noch einmal auf: „Schaut in den Brunnen! Was sieht ihr jetzt?“
Die Leute blickten wieder hinunter. „Jetzt sehen wir uns selbst!“
„Ihr konntet nichts sehen, weil das Wasser unruhig war wie euer Leben. Nun aber ist es ruhig. Das ist es, was uns die Stille schenkt: man sieht sich selbst.“
Dann gebot der Mönch den Leuten, noch etwas zu warten. Schließlich forderte er sie auf: „Und nun: Schaut noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?“
Die Leute schauten hinunter. „Jetzt sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“
Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“

Einstellung zur Meditation und Übungsweg

Als viel wichtiger als die vielen verschiedenen Methoden, die im Laufe der Zeit entstanden sind, empfinde ich die Einstellung zur Meditation und die klare Einstellung zum gesamten Übungsweg.

Ob aktive Methoden, die man vor allem bei Osho findet oder stille Methoden, die vor allem in der buddhistischen Tradition geübt werden – es sind nur Methoden und sie sind niemals die Meditation. Es sind lediglich Krücken, Hilfsmittel, die dabei helfen, die Erfahrung der Meditation in den Bereich des Möglichen zu bringen.

Im Grunde sind Methoden gar nicht notwendig. Meditation ist ein Geisteszustand oder vielmehr ein Prozess, in den unser Geist auch ohne Methoden finden kann. Aber Methoden sind nun mal sehr hilfreich und erleichtern den Übungsweg. Für viele dürfte es sogar ausgesprochen schwierig sein, ohne Methoden jemals Meditation zu erleben.

Also: Methoden sind, obwohl sie sehr hilfreich sind, sekundär. Schließlich kann man die Methoden im Laufe der Zeit wechseln. Sie sind austauschbar.

Primär wichtig sind die Einstellung zu Meditation und der klar strukturierte Übungsweg.
Was die Einstellung zur Meditation angeht, so ist zu beachten, dass es nicht ohne Geduld und Beharrlichkeit funktionieren wird!

Niemand lernt Meditation von heute auf morgen

Viele sind gewohnt, dass in unserer modernen Welt alles auf Knopfdruck und sofort passieren muss. Nicht bei der Meditation!
Unser Nervensystem, mit dem unser Geist kooperiert, ist wie ein Muskel. Auch der muss trainiert werden, wenn er wachsen soll.
Man kann auch das Beispiel eines Kindes nehmen, das nicht aus der Wiege aufsteht und sofort los läuft. Es wird erste Versuche machen und lange brauchen, bis die ersten Schritte möglich werden. Das schafft Motivation und Antrieb und die Schritte werden mit der Zeit immer sicherer.
Mit der Meditationspraxis ist es nicht anders.

Wenn wir stille Meditationsübungen machen und dabei den Atem als Meditationsobjekt nutzen, wird unser Geist am Anfang immer wieder ausbrechen und sich in Gedanken verlieren. Das ist vor allem am Anfang ganz natürlich. Das Einzige, was hilft, ist die Achtsamkeit immer wieder und wieder zum Atem zurück zu bringen.
Wer sehr ungeduldig ist, wird daran vielleicht verzweifeln und die Praxis aufgeben. Das ist nicht selten.

Willenskraft und Geduld sind gefragt!

Ohne den starken Willen bei der Übung zu bleiben und ohne Geduld mit sich selbst, ist Meditation komplett unmöglich. Wer die Willenskraft aufbringt und Geduld hat, wird Erfolge haben. Das ist das Einzige, was garantiert werden kann.
Dabei ist es vollkommen nutzlos, sich mit Methoden abzugeben, die nur unterhaltsam sind und den Geist munter beschäftigen. Auf diese Weise halten wir ihn in der gewohnten Ruhelosigkeit und Ablenkbarkeit, die wir eigentlich loswerden wollen.
Meditation ist kein Unterhaltungsprogramm. Es ist ernsthafte Geistesschulung.

Ebenso wichtig wie die richtige Einstellung, ist ein klar strukturierter Übungsweg. Unser Geist ist gewissermaßen ein Gewohnheitstier. Er ist lernfähig und willig, aber wir müssen ihm zeigen, was wir von ihm wollen. Das geht nur durch beharrliche und regelmäßige Übung.

Wenn wir regelmäßig üben, wird sich unser Geist immer schneller und bereitwilliger in die geübte Praxis einfinden. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die so unüberwindlich erschienen, werden immer seltener und haben kaum noch Gewicht. Am besten geht das, wenn wir regelmäßige feste Meditationszeiten haben, zu denen wir uns verpflichten. Sehr hilfreich ist es dabei, in der Gruppe zu meditieren. So können wir uns gegenseitig anspornen und bei der Stange halten.

Die Wirkung der regelmäßigen Meditationspraxis wird uns erstaunen

Was auf dem Meditationskissen geübt wird, bleibt nicht dort. Die Wirkung unserer Übungen verlassen den Meditationsraum und wir finden sie im Alltag wieder.
Es ist also nicht nur so, dass wir mit der Zeit immer besser und schneller in die Meditation finden, sondern wir können feststellen, dass wir mit einem gesammelten Geist im Alltag ruhiger, konzentrierter, bewusster und gleichmütiger werden. Wir können sogar feststellen, dass uns Emotionen, Sorgen und Ängste nicht mehr so schnell fortreißen. Wir ruhen in uns selbst.

Meditation ist eine Lebenseinstellung

Meditationskurse zu besuchen, ist sehr inspirierend und motivierend. Aber was nutzt es, wenn wir alle paar Jahre solch einen Kurs besuchen, aber in der Zeit dazwischen nur der ganz normale Alltag stattfindet?
Meditation wird nur reife Früchte tragen, wenn sie einen festen Platz in unserem Leben einnimmt.
Natürlich hat das mit Vertrauen zu tun, denn wir müssen darauf vertrauen, dass Meditation große Vorteile für unser Leben hat.

Selbstverständlich wird unser Vertrauen belohnt werden, wenn wir üben und nicht nachlassen! Wir werden uns in einem ganz neuen Lebensgefühl wiederfinden und dabei einen sehr viel besseren Umgang mit uns selbst und der Welt erleben.

Das Leben schenkt uns mit einem wunderbaren Geist die Chance auf erfüllte und glückliche Momente, aber wir müssen die Chance nutzen und uns dieses Leben mit Geduld und Willenskraft erarbeiten.

Meditation, Yoga & Co in Krisenzeiten

Die unglaubliche Wirksamkeit von Entschlossenheit

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Als ich meinen tibetischen Meditationslehrer das erste Mal traf, konnte ich hinter seinem herzlichen Lächeln noch nicht die wohlwollende Strenge erkennen, die uns Adepten in den Kursen später zuteil wurde.

Er forderte uns, ließ uns unsere Grenzen spüren, wenn wir über das gewohnte Maß hinaus lange in Meditationshaltung verharren sollten.
Ich hörte meinen Geist innerlich lautstark Widerstand schreien und spürte die brennenden Beschwerden meines Körpers.

Nein, es war nicht seine Absicht uns zu quälen. Ganz im Gegenteil wollte er uns die Chance geben, einen inneren Sprung in noch unbekanntes Terrain zu machen, auf dem wir die Rohform der Fähigkeiten finden würden, die wir nie gesucht hatten. Fraglos war ich damals ein Meister der Ablehnung und unsicher in Bezug auf meine Stärken und Möglichkeiten.

Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass Willenskraft und Entschlossenheit unabdingbare Aspekte auf dem spirituellen Pfad sind und ich weiß jetzt auch, dass der spirituelle Pfad nicht abseits der Alltagswege verläuft, sondern genau dort und es auf dem Weg nur auf die Art der eigenen Haltung und Bewegung ankommt. Es kommt nur auf uns selbst an.

Schwierige Zeiten lassen uns Entschlossenheit und innere Stärke entwickeln.

Dalai Lama

Immer hatte ich Artisten bewundert, die auf einem kaum fingerdicken Seil balancieren und mich gefragt, wie viel Selbstvertrauen, Mut, Willenskraft und Entschlossenheit dazu gehören, um das zu schaffen. Ich habe mich gefragt, wie oft sie immer wieder neu auf das Seil steigen mussten, wie lange sie üben mussten, bis es das erste Mal klappte.

Wir alle können viel mehr, als wir glauben. Es braucht nur Willenskraft und Entschlossenheit etwas zu erreichen und die Gewissheit, dass wir üben müssen.

Entschlossenheit im Unglück ist immer der halbe Weg zur Rettung.

Johann Heinrich Pestalozzi

Für die Methoden der Meditation und des Yoga ist es nicht anders.
Natürlich ist es notwendig zu wissen, wohin man damit will. Was könnte mich dazu bewegen zu meditieren oder Yoga-Asanas zu üben? Was für den einen etwas mehr an Ruhe und Entspannung ist, das ist für den anderen etwas mehr an Einsicht in sich selbst und damit einhergehend die Möglichkeit, die Belange und Prozesse des persönlichen Lebensalltages zu verändern.

Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.

Buddha

Und tatsächlich verändern wir unser Leben dadurch, dass wir uns zur Meditation setzen oder auf der Yogamatte üben. Die Früchte unserer Übung bleiben nicht an der Oberfläche, sondern reifen tief in uns hinein. Wir spüren und erleben es, dass wir damit nicht nur unseren Körper entspannen, sondern innere Kräfte und Potentiale mobilisiert werden, die bisher brach lagen. Wir merken es im Umgang mit uns selbst und im Umgang mit unserer Umgebung.

Freude

Freude ist vom ersten bis zum letzten Atemzug ein unauslöschliches Merkmal des Lebens. Sie ist immer in mir, in jedem Moment, an jedem Ort.

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Gewöhnlich schläft die Freude, wenn der Geist mit äußeren Gegebenheiten, diskursivem Denken und Ängsten beschäftigt ist und sie wird dann nur in Abhängigkeit von äußeren Bedingungen geweckt. Sind die Bedingungen vergangen, schläft die Freude wieder ein.

Freude hat mit meinem Geist zu tun. Er erkennt und weiß das, worauf ich ihn richte. Richte ich ihn fokussiert nach innen, was z.B. durch bestimmte meditative Methoden möglich ist, dann kann er die Freude in mir entdecken, erkennen und erleben, ohne dass äußere Bedingungen dafür notwendig sind!
Es ist bedingungslose Freude, die durch eigene Kraft von innen nach außen strahlt und – wie ein Reinigungsagent – Ängste und zweiflerische Gedanken vertreibt, den Mut mobilisiert und die Liebe erwärmt.

Das Beste ist in uns. Es ist ein Schatz, den wir entdecken und heben können, um ihn uns selbst und der Welt zu schenken.

Was ist Meditation? [3]

Der Konfuse Geist

Viele Gründe bewegen Menschen dazu mit Meditation zu beginnen.
Manche suchen einfach innere Ruhe, andere haben vielleicht Schlafstörungen, wieder andere sind von der Voraussicht auf transzendente Erfahrungen motiviert und wieder andere sind einfach neugierig und wollen sich das mal anschauen.

Bildquelle: Fotalia

Ganz gleich, welche Erwägungen Pate standen, alle werden in der ersten Zeit die gleiche Art von Erfahrung machen.
Sie werden feststellen, dass ihr Geist keine sauber aufgeräumte Stube ist, sondern sich von einer recht chaotischen Seite zeigen wird.

Bei den ersten Versuchen – und auch später noch – tauchen alle möglichen Gedanken auf, ablehnende und begehrende Emotionen und körperliche Empfindungen. Ruhe und Entspannung lassen vergeblich auf sich warten.

Wer im Alltag gewohnt ist, sich effektiv mit allerlei Beschäftigung abzulenken oder ein stressiges Leben führt, ist ständig mit einen umtriebigen Geist unterwegs. In der Meditation hätte man sich jetzt etwas Anderes gewünscht. Daher ist es vor allem für Anfänger besonders hilfreich, zum Meditieren einen ruhigen Platz aufzusuchen, um dem Geist nicht unnötig viel Ablenkung anzubieten.
Beschäftigung, Vernetzung und Sammeln von Informationen, sind dabei seine natürliche Lieblingsbeschäftigung.
Kann man von jemandem erwarten, dass er von heute auf morgen den Hürdenlauf meistert, wenn er Bewegung nicht gewohnt ist? Sicher nicht. Mit dem Geist ist es im Prinzip das Selbe. Er muss und will trainiert werden. Deshalb verwendet man für die Meditation gerne den Begriff der Geistesschulung.

Die Sicht wird frei

Wenn die Meditationspraxis dazu führt, dass die Sicht frei wird, hört sich das schon mal gut an.
Wie schön ist es doch auch, alles klar sehen zu können, wenn man mal die Fenster seiner Wohnung gründlich geputzt hat. Da kommt endlich Licht herein, die Farben werden kräftiger und die Konturen werden schärfer.

Was man aber auch klarer sieht, ist der Unrat, der sich im Laufe der Jahre vor der Haustüre angesammelt hat. Der war zuvor kaum erkennbar gewesen.
Mit unserer Innenwelt ist das nicht anders. Die Konturen der angenehmen Aspekte des Daseins werden schärfer und Gedanken, die sonst nur im Hintergrund ihr Spektakel veranstalteten, kommen während der Meditation aber auch in den Blickpunkt.

Das ist der Moment, an dem sich viele Übende fragen, ob sie sich das wirklich anschauen wollen. Es liegt dann einerseits an der Willenskraft und andererseits an der Unterstützung eines Meditationslehrers, Motivation und Anreize nicht versiegen zu lassen.
Was nämlich folgt, sollte Mut machen und Motivation schaffen.

Motivation fördern

Auch wenn die Meditations-Sitzungen in der ersten Zeit nicht gleich die gewünschte Ruhe bringen, so fördern sie doch interessante Aspekte des Geistes zutage.
Wir merken, dass der Geist beschäftigt sein will, wie ein lebhaftes Kind. dabei springt er von einer Ablenkung zu anderen.
Um ihn zur Ruhe zu bringen wird uns ein Meditationslehrer ein Meditationsobjekt anbieten. In der Regel ist das unser eigener Atem, der von selbst abläuft und auf den man den Geist richten kann, um ihn zu beruhigen.
Als Meditationsobjekt kann aber auch der Körper als Gesamtes dienen, indem man aufmerksam in die einzelnen Bereiche des Körpers hinein spürt, die Empfindung unbewertet wahrnimmt und dann zum nächsten Bereich wechselt. Das trainiert das Annehmen und Akzeptieren einer Empfindung und das Loslassen, wenn man zum nächsten Bereich wechselt.
Selbstverständlich können auch äußere Reize, wie Musik oder die Betrachtung eines Bildes den Geist beruhigen.
Es darf ausprobiert werden, was einem besser liegt. Später zu einem anderen Meditationsobjekt zu wechseln ist immer möglich.

Von der Methode zur Meditation

Wenn wir z.B. die Atembetrachtung als Meditationsobjekt für uns gewählt haben und wir damit einigermaßen zurecht kommen, weil wir den Geist von ablenkenden Gedanken immer wieder zum Anker des Atems zurückbringen können, dann haben wir eine Methode.
Die Methode ist ein Werkzeug oder eine Hilfestellung. Sie ist noch nicht die Meditation.
Als wir noch Kinder waren und das Fahrradfahren lernen wollten, haben uns unsere Eltern vielleicht Stützräder an unser Rad gebaut, damit wir auf unseren ersten Fahrversuchen ein Gefühl für unser Fahrrad bekommen und nicht zur Seite weg kippen. Irgendwann, mit zunehmender Übung, merken wir, dass wir die zusätzlichen Räder immer seltener brauchen.
Das Gleiche geschieht bei der Meditation. Wir trainieren unseren Geist dazu, für Momente ruhig und fokussiert zu sein und mit zunehmender Übung stellen sich diese Momente immer öfter ein. Dann erleben wir, wie sich um unseren Atem panoramaartig ein stiller Raum in uns weitet und wir erleben die ersten Momente in Meditation.
Wer fleißig weiter übt, wird irgendwann sogar auf jegliche Standardmethoden verzichten können. Dann ist Der Alltag selbst die Methode und das ist der eigentliche Zweck der Übung.

Achtsamkeit und Gewahrsein

Achtsamkeit und Gewahrsein scheinen auf den ersten Blick das Gleiche zu sein.
Es gibt aber einen kleinen, aber wichtigen Unterschied.


Achtsamkeit

Wenn wir achtsam sind, dann sind wir vollkommen mit unserer aktuellen Handlung identifiziert. Es ist die „Einspitzigkeit“, die Punktgenauigkeit der Wahrnehmung auf das was wir gerade tun oder erleben.Ich kann achtsam sein, wenn ich Geschirr spüle oder Wäsche zusammen lege. Dabei bin ich konzentriert achtsam auf die Bewegungen meiner Hände.In diesem Sinne beschreibt Achtsamkeit einen sehr engen Bereich der Wahrnehmung, der aber äußerst konzentriert ist.


Gewahrsein

Gewahrsein ist auch eine Achtsamkeit, die aber über die oben genannte Punktgenauigkeit hinaus geht. Im Gewahrsein nehmen wir beim Geschirrspülen nicht nur die Bewegung unserer Hände wahr, sondern nehmen auch die Temperatur des Wassers wahr, nehmen die Geräusche des Geschirrs und andere Geräusche um uns wahr und auch unsere unmittelbare Umgebung.Im Gewahrsein erhalten wir eine Gesamtsicht auf die jeweilige Situation. Im Gewahrsein liegt der Beginn der Einsicht (Vipassana) in die gesamte Situation.

Innehalten und neu ausrichten

Innehalten ist ein Bestandteil der Meditationspraxis

Innehalten bedeutet, innerlich „Stop!“ zu sagen und aus dem gerade ablaufenden Prozess auszusteigen und sich selbst zu betrachten.

Da werden mir Gedanken, Gefühle, Empfindungen, Emotionen bewusst.
Dabei geht es selbstverständlich nicht darum, das alles zu bewerten und zu beurteilen, sondern darum, es schlicht wahrzunehmen und Übersicht zu erhalten.

Da mag großes Chaos sein, Verunsicherung. Vielleicht Wut, Ärger jedweder andere Ausdruck von Emotion.
In diesem Moment des Innehaltens komme ich zu mir selbst zurück. Ich bin nicht mehr mit dem ablaufenden Prozess identifiziert, sondern nehme die Beobachterperspektive ein.
Beim Innehalten werde ich mir meiner Lebendigkeit und Lebenskraft bewusst.
Es ist eine Seinserfahrung, in der sich der Geist sammelt und sehr scharf fokussiert.

Aus dieser Perspektive, in der ich Übersicht gewinne und nicht mehr vom Prozess mitgerissen werde, kann ich mich neu ausrichten. Ich kann eine Wahl treffen und den Prozess verändern.

Innehalten ist immer wieder eine Art Trick, der sich durch die gesamte Meditationspraxis zieht. Von Anfang bis Ende…

Der erste Gedanke

Der erste Gedanke, der auf eine Frage an uns oder auf ein Ereignis folgt, ist eine Intuition.

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Intuition bedeutet, den Sachverhalt der Frage oder des Ereignisses ohne diskursives Abwägen zu erkennen und zu durchschauen.

Natürlich ist in die intuitive Erkenntnis unser Nervensystem involviert. Intuition ist keine Zauberei.

Der erste Gedanke ist also intuitiver Natur.
Er taucht vor unserem inneren Auge ganz unvermittelt auf, wie eine plötzlich aufleuchtende Glühbirne. Wir wissen nicht, wo sich der Schalter befindet und wir wissen auch nicht, wer ihn für uns betätigt hat.
Der intuitive, erste Gedanke hat noch keinen Diskurs durch den Parcours des Verstandes durchlaufen. Der Verstand ist bis dahin noch unbehelligt.

Wenn wir diesen ersten Gedanken aufgeschnappt und vor uns haben, weckt er unseren Verstand, der sofort damit beginnt, ihn zu überprüfen. Der Verstand wird ähnliche Sachverhalte aus seinem Archiv ziehen, er wird Wünsche und Ängste einladen und den ersten Gedanken zur Prüfung und Befragung vor sein Gericht stellen.

Mit dem zweiten Gedanken haben wir den Zweifel mobilisiert

Zweifel wollen wir natürlich möglichst schnell ausräumen.
Wie oft geschieht es, dass wir den ersten Gedanken wahrnehmen, vielleicht nur kurz schemenhaft, um ihn dann sofort in Zweifel zu ziehen?

In unseren modernen Gesellschaften ist es üblich alles zu hinterfragen. Das Prüfen und Hinterfragen von Sachverhalten taucht bereits in der Antike mit dem Begriff der Dialektik auf und Prüfen und Hinterfragen ist auch ein Grundprinzip der modernen Wissenschaft. Das hat ja absolut auch Berechtigung, wenn es darum geht Fakten auf ihre Stichhaltigkeit zu prüfen.

Tatasche ist allerdings, dass mit dem zweiten Gedanken der erste Gedanke dominiert und oft beiseite geschoben wird und Intuition als Qualität des Geistes nicht ernst genommen wird.

Wenn wir einen Sachverhalt hinterfragen, ziehen wir gerne andere zu Rate. Wir schildern den Sachverhalt und bitten, dazu Stellung zu nehmen.
Die Antworten, die wir bekommen, können unseren Horizont erweitern und viele Perspektiven auf mögliche Versionen von Wahrheit hervorbringen und unser intellektuelles Wissen vermehren, aber sie überdecken unseren ersten Gedanken, der Ausdruck des frischen, klaren Geistes ist.
Der erste Gedanke ist eine ganz unmittelbare Erfahrung, die sich nicht auf jederzeit abrufbar Erlerntes bezieht, sondern sie ist eine Erfahrung, die auf eine große Vielzahl von Informationen zurückgreift, die dem Tagesbewusstsein nicht zugänglich sind. Mit dem ersten Gedanken greifen wir auf das Potential unseres Geistes als Ganzes zu.

Die neue Zeit verbindet altes Wissen und moderne Wissenschaft

Die Menschen indigener Kulturen hatten immer großes Vertrauen in die Fähigkeit ihrer Priester und Weisen, in Kontakt mit Ahnen, Engeln und anderen Geistwesen zu kommen, um Zugang zu tieferem Wissen zu erhalten.
Vielleicht kann man dieses Vertrauen vergleichen mit dem Vertrauen, das die Menschen der modernen Industriegesellschaften heute in die Wissenschaft haben.

Die Quantenphysik gibt uns Hinweise darauf, dass die spirituellen Erfahrungen in den Kulturen aller Zeiten keine Gespinste sind.
Mittlerweile ist auch die Hirnforschung so weit, dass sie beispielsweise meditative Erfahrungen durch Hirnscan-Verfahren nachvollziehen kann und damit den Zugang zu unserer feinstofflichen Welt öffnet, zu der auch die Fähigkeit zur Intuition gehört.

Spiritualität und Wissenschaft nähern sich an und dies schon, seit der Physiker Max Planck erkannte, dass Materie lediglich eine Art kristallisierte Form von Energie ist.

Wir wachsen in eine neue Zeit erhöhten Bewusstseins hinein, durch das wir Vertrauen in unsere geistigen Fähigkeiten wiedergewinnen können und allen Grund haben dürfen, auf unsere Intuition vertrauen zu können.

Innere Demokratie

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Was andere denken, sagen oder tun, kann ich nicht beeinflussen und das ist auch gut so. Ansonsten könnte ich schlimmstenfalls den Diktator in mir wecken.
Ich kann aber meine eigenen Gedanken, meine Rede und mein Handeln prüfen. Das kann schon mal wehtun, weil mir etwa die Hälfte von dem, was mich ausmacht, nicht gefällt und genau diese blöde Hälfte erkenne ich dann auch noch zielsicher in anderen. Wer hätte das gedacht?
Kein Wunder, wenn es Konflikte hagelt.
Es fällt mir oft schwer, meine unangenehmen Anteile zu akzeptieren. Wenn es mir gelingt,
fühlt es sich erleichtert an und die Türe zu meinen guten Anteilen öffnet sich von selbst und ich kann diese Anteile in mir stärken und nach außen bringen.

Ich nenne es „innere Demokratie“, mit sich selbst in konstruktiven Austausch zu kommen, Ablehnung zu vermeiden und sich als Ganzes fühlen zu lernen. In einer harmonischen, inneren Ganzheit finde ich andere Menschen und kann mich mit ihnen verbinden.