Meditationsmeister Henepola Gunaratana zu seinen Schülern…

„Irgendwann in diesem Prozess (der Meditation) sehen Sie sich mit der plötzlichen und schockierenden Einsicht konfrontiert, dass Sie total verrückt sind. Ihr Geist ist ein kreischendes, stammelndes Tollhaus auf Rädern, das führerlos einen Abhang hinunter poltert, hoffnungslos und völlig außer Kontrolle. Das ist kein Problem. Sie sind jetzt nicht verrückter, als Sie es gestern waren. Sie waren es schon immer – es ist Ihnen nur nicht aufgefallen.“

Henepola Gunaratana ist ein 1927 in Sri Lanka geborener Mönch der buddhistischen Theravada-Tradition. Er lebt seit 1968 in USA.

Frieden

Frieden wollen ja wahrscheinlich alle, oder?
Sicher sogar Rambo, der zufrieden ist, wenn er alle seine Widersacher bezwungen hat. Oder der Karrierist, der zufrieden ist, wenn er sich gegen alle anderen an die Spitze hoch gekämpft hat.

Leicht zu erkennen, dass es mit Bedingungen zu tun hat: „Erst wenn ich dies oder das erreicht habe, werde ich Frieden finden…“
Und wenn ich es erreicht habe, bleibt es dann für immer bei mir? Oder muss ich um den Erhalt kämpfen, mich sorgen und bangen? Fühlt sich nicht so friedlich an.

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Am Anfang ist da natürlich ein Wunsch, der erfüllt werden will und ein Bedürfnis, das befriedigt werden will. Und da sind Hindernisse, die überwunden werden müssen.

Sieht fast so aus, als ob Frieden nur durch Kampf entstehen kann und nur mit Zwang erhalten werden kann. Fühlt sich seltsam paradox an.

Könnte man z.B. den Buddha fragen, was Frieden ist und wie man ihn bewerkstelligen kann, dann würde er sagen, dass Frieden nur durch Wunschlosigkeit erreicht werden kann und dass Frieden ein Bewusstseinszustand ist, aber nicht eine Situation, die ich in der Welt vorfinden kann. Diese Frage wurde ihm sogar gestellt und er hatte sie genau so beantwortet.
Typisch weiser Erleuchteter. Nicht von dieser Welt, oder? Schließlich ist es doch vollkommen natürlich Wünsche zu haben und wo wären wir als Menschheit, wenn wir auf alle unsere Wünsche verzichtet hätten?

Was sind denn überhaupt Wünsche? Ist das die Idee, dass da etwas fehlt, was ich haben muss und auf der anderen Seite etwas ist, das weg muss? Wenn ich das Eine bekomme und und behalten kann und das Andere weg ist und weg bleibt, ist mein Wunsch erfüllt. Basta!
Niemand wird ernsthaft glauben, dass das so einfach ist. Der Alltag beweist, dass es nicht funktioniert.

Was aber dann? Wie komme ich nun zu dieser Wunschlosigkeit, die mir den Frieden verspricht?
Jeder wird wissen, dass Frieden mit einem selbst zu tun hat und nicht von äußeren Bedingungen abhängt und es könnte geradezu überflüssig sein, darüber zu schreiben. Warum aber kümmert man sich dann nicht darum, den Blick von den Bedingungen weg zu nehmen und sich sich auf diese Bewusstseinsebene zu begeben, auf der Frieden zu finden ist?

Ist nicht so populär an sich selbst zu arbeiten, schlechte Gewohnheiten vorzufinden, Hindernissen und Widerständen zu begegnen und in dieser Zeit auf kurzfristige Ablenkung zu verzichten.
Ja, es klingt sarkastisch und vielleicht kann man in meinen Formulierungen auch die Ironie dieser Welt finden.

Wer meine Blogs liest, wird wissen, dass die Meditationspraxis für mich einen enorm hohen Stellenwert hat. Wenn ich mich zur Meditation setze, habe ich den Wunsch, mich auf meine gewählte Methode konzentrieren zu können und dann Meditation erleben zu können. Beißt sich da nicht die Katze in den Schwanz? Meditation soll doch unter Anderem zum inneren Frieden führen und dann beginne ich mit einem Wunsch, der alles verhindert?
Wäre ich wunschlos und in innerem Frieden verwurzelt, müsste ich mich nicht zur Meditation setzen und üben. Ich bin entschlossen zu üben und meinen Geist mit der Erfahrung inneren Friedens bekannt zu machen. Das funktioniert nicht immer, aber eben doch öfter und in solchen Momenten bekommt das Wort Frieden eine ganz andere Bedeutung. Dieser Frieden hat kein Gegenteil mehr, wie der äußere Frieden, dessen Gegenteil der Konflikt ist oder gar der Krieg.
Das ist wohl so, weil die Erfahrung inneren Friedens nicht dualistisch und gedanklich ist. Darüber kann nicht diskutiert werden. Es ist eine Seinserfahrung, die nicht von Argumenten gestützt oder widerlegt werden kann. Erlebter Frieden ist innere Leere, die als innere Fülle erfahren wird. Er ist nicht dinglich und nicht körperlich. Er ist die innige Verbindung mit dem geistigen Herzen, in dem alles seinen Anfang nimmt, was später in der Welt zu finden sein wird.

Ja, im geistigen Herzen gibt es einen Wunsch. Es ist der sogenannte Herzenswunsch, der grundsätzlich mit reiner Liebe beschrieben werden kann. Der körperlich-materiellen Welt der Gegensätze und Gedanken, liegt dieser Wunsch als vollkommen formlose und tiefste Sehnsucht zugrunde und mein Verstand kann sich nicht anders helfen, als ihn mit Bedingungen zu verknüpfen. Daraus entsteht das Bestreben, sich diesen Wunsch mit den Dingen der Welt erfüllen zu wollen. Die Dinge sind veränderlich, flüchtig und letztendlich vergänglich. Das ist ihre natürliche Eigenschaft. Es ist also töricht, sein Herz daran zu hängen und seinen Herzenswunsch davon abhängig zu machen.

Es kann also nur darum gehen, diesen formlosen Herzenswunsch irgendwann zu erspüren und zu erleben. Ich kann ihn nicht erdenken oder herbei phantasieren oder ihn in Dinge hinein projizieren.

Es braucht Zeit, Mut, Durchhaltevermögen und Willenskraft, den Weg zum eigenen Herzen nach innen zu gehen. Mein Geist ist mir dabei behilflich. Wenn ich mich ihm anvertraue, wird er mich zur Erfahrung von Frieden führen. Es ist letztendlich seine wichtigste Aufgabe und meine letztendliche Bestimmung für mich als Mensch.

Selbstverständlich, nach der Meditation ist die Welt wieder diskursiv, mit Für und Wider, Krieg und Frieden. Was bleibt, ist die Erfahrung an einen Zustand, in dem keine Negativität möglich ist und was entsteht, ist das Loslassen von Argumenten, die draußen dem Frieden auf die Beine helfen sollen.
Da draußen ist nichts zu ändern. Gar nichts! Da draußen ist nur das Ergebnis meiner Gedanken zu finden.

Was ist Meditation? [4] Sprung ins Leere

Wenn du eine Meditationsmethode übst, bedeutet das nicht, dass du meditierst. Vielleicht befindest du dich auf dem Weg dorthin.
Die Methode ist ein Hilfsmittel, eine Krücke. Sie ist ein Transfer-Vehikel, das dich zur Meditation bringen kann. Möglicherweise wirst du das Vehikel nicht verlassen und dich weiter daran klammern.
Im besten Fall wirst du den Weg mit der Methode auf dich nehmen, um dann in die Meditation zu springen. Dann ist das Vehikel nicht mehr notwendig. Du kannst es komplett vergessen. Es bedarf eines Willensaktes, die Methode zu verlassen und zu springen. Du springst ins Leere! Du lässt los!

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Du gibst deine Sicherheiten auf, verlässt dich nicht mehr auf Absehbares.
Wenn du Angst hast, wirst du dich anklammern und die Meditation töten.
Wenn Du Annehmen und Loslassen für dich kultivieren kannst, bist du auf dem richtigen Weg des Vertrauens. Dann bist du wie ein Kind, das voller Vertrauen von seiner liebenden Mutter über die Straße geführt wird.
Wie ein Kind kannst du offen und neugierig sein. Das ist die beste Voraussetzung, um dich hingeben zu können.
Meditation ist Hingabe, Offenheit, Neugierde, Vertrauen und Abenteuerlust.
Meditation ist eine abenteuerliche Reise. Gefährlich kann sie nur für die Pläne und Vorstellungen sein, die dein Kopf geschmiedet hat.
Diese spirituelle Reise ist weitaus abenteuerlicher, als jede Reise, die du materiell übernimmst, denn alles was dir im Materiellen begegnet, wurde zuvor im Geist entwickelt.
Auf deiner spirituellen Reise reist du zur Wurzel aller Dinge und du selbst bist ein wesentlicher Teil davon.
In der Meditation wirst du viele Aspekte deines Geistes kennen lernen. Deine Gedanken, Gefühle und Emotionen sind nur ein ganz winziger Ausschnitt dessen, was dein Geist im Ganzen ist.
Letzten Endes ist dein Geist ein leerer Raum ohne Wände, in dem nur Liebe und Frieden vorhanden sind.
Meditation zeigt dir, was Liebe und Frieden tatsächlich ist.

Der Mönch am Brunnen

Eines Tages kamen zu einem alten Mönch einige Menschen. Sie fragten ihn: „Was ist der Sinn von Stille und Meditation, für den du und deine Brüder stehen?“
Der Mönch war gerade mit dem Schöpfen von Wasser aus einem tiefen Brunnen beschäftigt.

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Er sprach zu seinen Besuchern: „Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“
Die Leute blickten in den tiefen Brunnen und antworteten: „Wir sehen nichts!“
Der Mönch stellte seinen Eimer ab. Nach einer kurzen Weile forderte er die Besucher noch einmal auf: „Schaut in den Brunnen! Was sieht ihr jetzt?“
Die Leute blickten wieder hinunter. „Jetzt sehen wir uns selbst!“
„Ihr konntet nichts sehen, weil das Wasser unruhig war wie euer Leben. Nun aber ist es ruhig. Das ist es, was uns die Stille schenkt: man sieht sich selbst.“
Dann gebot der Mönch den Leuten, noch etwas zu warten. Schließlich forderte er sie auf: „Und nun: Schaut noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?“
Die Leute schauten hinunter. „Jetzt sehen wir die Steine auf dem Grund des Brunnens.“
Da erklärte der Mönch: „Das ist die Erfahrung der Stille und der Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund aller Dinge.“

Einstellung zur Meditation und Übungsweg

Als viel wichtiger als die vielen verschiedenen Methoden, die im Laufe der Zeit entstanden sind, empfinde ich die Einstellung zur Meditation und die klare Einstellung zum gesamten Übungsweg.

Ob aktive Methoden, die man vor allem bei Osho findet oder stille Methoden, die vor allem in der buddhistischen Tradition geübt werden – es sind nur Methoden und sie sind niemals die Meditation. Es sind lediglich Krücken, Hilfsmittel, die dabei helfen, die Erfahrung der Meditation in den Bereich des Möglichen zu bringen.

Im Grunde sind Methoden gar nicht notwendig. Meditation ist ein Geisteszustand oder vielmehr ein Prozess, in den unser Geist auch ohne Methoden finden kann. Aber Methoden sind nun mal sehr hilfreich und erleichtern den Übungsweg. Für viele dürfte es sogar ausgesprochen schwierig sein, ohne Methoden jemals Meditation zu erleben.

Also: Methoden sind, obwohl sie sehr hilfreich sind, sekundär. Schließlich kann man die Methoden im Laufe der Zeit wechseln. Sie sind austauschbar.

Primär wichtig sind die Einstellung zu Meditation und der klar strukturierte Übungsweg.
Was die Einstellung zur Meditation angeht, so ist zu beachten, dass es nicht ohne Geduld und Beharrlichkeit funktionieren wird!

Niemand lernt Meditation von heute auf morgen

Viele sind gewohnt, dass in unserer modernen Welt alles auf Knopfdruck und sofort passieren muss. Nicht bei der Meditation!
Unser Nervensystem, mit dem unser Geist kooperiert, ist wie ein Muskel. Auch der muss trainiert werden, wenn er wachsen soll.
Man kann auch das Beispiel eines Kindes nehmen, das nicht aus der Wiege aufsteht und sofort los läuft. Es wird erste Versuche machen und lange brauchen, bis die ersten Schritte möglich werden. Das schafft Motivation und Antrieb und die Schritte werden mit der Zeit immer sicherer.
Mit der Meditationspraxis ist es nicht anders.

Wenn wir stille Meditationsübungen machen und dabei den Atem als Meditationsobjekt nutzen, wird unser Geist am Anfang immer wieder ausbrechen und sich in Gedanken verlieren. Das ist vor allem am Anfang ganz natürlich. Das Einzige, was hilft, ist die Achtsamkeit immer wieder und wieder zum Atem zurück zu bringen.
Wer sehr ungeduldig ist, wird daran vielleicht verzweifeln und die Praxis aufgeben. Das ist nicht selten.

Willenskraft und Geduld sind gefragt!

Ohne den starken Willen bei der Übung zu bleiben und ohne Geduld mit sich selbst, ist Meditation komplett unmöglich. Wer die Willenskraft aufbringt und Geduld hat, wird Erfolge haben. Das ist das Einzige, was garantiert werden kann.
Dabei ist es vollkommen nutzlos, sich mit Methoden abzugeben, die nur unterhaltsam sind und den Geist munter beschäftigen. Auf diese Weise halten wir ihn in der gewohnten Ruhelosigkeit und Ablenkbarkeit, die wir eigentlich loswerden wollen.
Meditation ist kein Unterhaltungsprogramm. Es ist ernsthafte Geistesschulung.

Ebenso wichtig wie die richtige Einstellung, ist ein klar strukturierter Übungsweg. Unser Geist ist gewissermaßen ein Gewohnheitstier. Er ist lernfähig und willig, aber wir müssen ihm zeigen, was wir von ihm wollen. Das geht nur durch beharrliche und regelmäßige Übung.

Wenn wir regelmäßig üben, wird sich unser Geist immer schneller und bereitwilliger in die geübte Praxis einfinden. Die anfänglichen Schwierigkeiten, die so unüberwindlich erschienen, werden immer seltener und haben kaum noch Gewicht. Am besten geht das, wenn wir regelmäßige feste Meditationszeiten haben, zu denen wir uns verpflichten. Sehr hilfreich ist es dabei, in der Gruppe zu meditieren. So können wir uns gegenseitig anspornen und bei der Stange halten.

Die Wirkung der regelmäßigen Meditationspraxis wird uns erstaunen

Was auf dem Meditationskissen geübt wird, bleibt nicht dort. Die Wirkung unserer Übungen verlassen den Meditationsraum und wir finden sie im Alltag wieder.
Es ist also nicht nur so, dass wir mit der Zeit immer besser und schneller in die Meditation finden, sondern wir können feststellen, dass wir mit einem gesammelten Geist im Alltag ruhiger, konzentrierter, bewusster und gleichmütiger werden. Wir können sogar feststellen, dass uns Emotionen, Sorgen und Ängste nicht mehr so schnell fortreißen. Wir ruhen in uns selbst.

Meditation ist eine Lebenseinstellung

Meditationskurse zu besuchen, ist sehr inspirierend und motivierend. Aber was nutzt es, wenn wir alle paar Jahre solch einen Kurs besuchen, aber in der Zeit dazwischen nur der ganz normale Alltag stattfindet?
Meditation wird nur reife Früchte tragen, wenn sie einen festen Platz in unserem Leben einnimmt.
Natürlich hat das mit Vertrauen zu tun, denn wir müssen darauf vertrauen, dass Meditation große Vorteile für unser Leben hat.

Selbstverständlich wird unser Vertrauen belohnt werden, wenn wir üben und nicht nachlassen! Wir werden uns in einem ganz neuen Lebensgefühl wiederfinden und dabei einen sehr viel besseren Umgang mit uns selbst und der Welt erleben.

Das Leben schenkt uns mit einem wunderbaren Geist die Chance auf erfüllte und glückliche Momente, aber wir müssen die Chance nutzen und uns dieses Leben mit Geduld und Willenskraft erarbeiten.

Meditation, Yoga & Co in Krisenzeiten

Die unglaubliche Wirksamkeit von Entschlossenheit

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Als ich meinen tibetischen Meditationslehrer das erste Mal traf, konnte ich hinter seinem herzlichen Lächeln noch nicht die wohlwollende Strenge erkennen, die uns Adepten in den Kursen später zuteil wurde.

Er forderte uns, ließ uns unsere Grenzen spüren, wenn wir über das gewohnte Maß hinaus lange in Meditationshaltung verharren sollten.
Ich hörte meinen Geist innerlich lautstark Widerstand schreien und spürte die brennenden Beschwerden meines Körpers.

Nein, es war nicht seine Absicht uns zu quälen. Ganz im Gegenteil wollte er uns die Chance geben, einen inneren Sprung in noch unbekanntes Terrain zu machen, auf dem wir die Rohform der Fähigkeiten finden würden, die wir nie gesucht hatten. Fraglos war ich damals ein Meister der Ablehnung und unsicher in Bezug auf meine Stärken und Möglichkeiten.

Es dauerte eine Weile, bis mir klar wurde, dass Willenskraft und Entschlossenheit unabdingbare Aspekte auf dem spirituellen Pfad sind und ich weiß jetzt auch, dass der spirituelle Pfad nicht abseits der Alltagswege verläuft, sondern genau dort und es auf dem Weg nur auf die Art der eigenen Haltung und Bewegung ankommt. Es kommt nur auf uns selbst an.

Schwierige Zeiten lassen uns Entschlossenheit und innere Stärke entwickeln.

Dalai Lama

Immer hatte ich Artisten bewundert, die auf einem kaum fingerdicken Seil balancieren und mich gefragt, wie viel Selbstvertrauen, Mut, Willenskraft und Entschlossenheit dazu gehören, um das zu schaffen. Ich habe mich gefragt, wie oft sie immer wieder neu auf das Seil steigen mussten, wie lange sie üben mussten, bis es das erste Mal klappte.

Wir alle können viel mehr, als wir glauben. Es braucht nur Willenskraft und Entschlossenheit etwas zu erreichen und die Gewissheit, dass wir üben müssen.

Entschlossenheit im Unglück ist immer der halbe Weg zur Rettung.

Johann Heinrich Pestalozzi

Für die Methoden der Meditation und des Yoga ist es nicht anders.
Natürlich ist es notwendig zu wissen, wohin man damit will. Was könnte mich dazu bewegen zu meditieren oder Yoga-Asanas zu üben? Was für den einen etwas mehr an Ruhe und Entspannung ist, das ist für den anderen etwas mehr an Einsicht in sich selbst und damit einhergehend die Möglichkeit, die Belange und Prozesse des persönlichen Lebensalltages zu verändern.

Ganz gleich, wie beschwerlich das Gestern war, stets kannst du im Heute von Neuem beginnen.

Buddha

Und tatsächlich verändern wir unser Leben dadurch, dass wir uns zur Meditation setzen oder auf der Yogamatte üben. Die Früchte unserer Übung bleiben nicht an der Oberfläche, sondern reifen tief in uns hinein. Wir spüren und erleben es, dass wir damit nicht nur unseren Körper entspannen, sondern innere Kräfte und Potentiale mobilisiert werden, die bisher brach lagen. Wir merken es im Umgang mit uns selbst und im Umgang mit unserer Umgebung.

Rupa Jhanas

Wer sich innere Ruhe und Frieden wünscht, wird irgendwann wahrscheinlich einmal daran denken Meditation auszuprobieren.

Das klingt ja alles ganz toll, exotisch und mystisch.
Die initiale Begeisterung wird bei vielen allerdings schnell ausgebremst, weil der Geist – um den es dabei maßgeblich geht – einfach nicht das machen will, was man sich so vorgestellt hat. Der spaziert lustig von einem Gedanken zum nächsten und erzählt Geschichten und hat die tollsten Ideen, um sich abzulenken. Eine Teilnehmerin erzählte mir mal, dass ihr Geist während unserer Meditationssitzung die Einkaufsliste für die gesamte Woche zusammengestellt hatte. Von der Konzentration auf den Atem keine Spur.
Ein untrainierter Geist ist wie ein junger Hund, der lebenslustig seine Umgebung erkundet und seinen Besitzer mitunter zur Verzweiflung bringt.

Ja, es geht um Konzentration, was vielen Menschen ungeheuer schwer fällt. Eigentlich kein wirkliches Wunder, wenn man sich daran erinnert, wie viel Ablenkung und Reizüberflutung unsere Welt doch zu bieten hat.

Konzentration und Meditation?
Schließt sich das nicht aus? Stimmt, es ist nicht das Selbe. Konzentration ist ein Hilfsmittel, das behilflich ist, in die Meditation hinein zu finden.
Vielleicht ist der Vergleich mit dem jungen Hund ganz passend, den man an die Leine nimmt, damit er da bleibt. Die Leine steht für die Konzentration auf das Meditationsobjekt. Das kann die Bewegung des Atems sein oder die Bewegung des Körpers bei aktiven Methoden oder einfach Körperempfindungen, auf die man sich konzentriert. Hauptsache ist, dass der Geist nicht auf Wanderschaft geht.

Kommen wir mal zum Titel dieses Beitrags

Rupa Jhanas sind die ersten vier meditativen Vertiefungen. Rupa ist ein Pali-Wort und bedeutet Körper. Jhanas sind die Vertiefungen oder Versenkungen.
Die Rupa Jhanas sind die ersten vier Stufen, in denen der Körper emotional und sensorisch für die meditative Erfahrung noch eine Rolle spielt.
Insgesamt gibt es acht Stufen, in denen der Geist von der ersten bis zur achten immer feinstofflicher und subtiler wird. Im Verlauf klärt sich das Bewusstsein von Gedanken, es wird ruhiger, reiner und zeitloser. Es vermittelt das Erleben von Hier und Jetzt, um es mal ganz plakativ auszudrücken.

Die erste Stufe ist überhaupt erst der Eintritt in die Meditation. Vorher ist alles nur Konzentration auf die Methode.

Bis zum Eintritt in die erste Stufe findet noch keine Meditation statt.
Dass man die erste Stufe erlangt, merkt man daran, dass sich ein wunderschönes, entzückendes Körpergefühl einstellt. Dafür gibt es auch ein Pali-Wort: Piti. Es bedeutet Entzücken oder auch Interesse.
Die Übersetzung mit Interesse finde ich dabei besonders treffend, weil ab hier wirklich ein Interesse an der Meditation geweckt wird, was wissenschaftlich begründet an der Dopamin- und Noradrenalin-Ausschüttung liegt. Es entschädigt für die Mühen des Konzentrierens und Trainierens des Geistes und es vermittelt die Gewissheit für eine wunderbare Reise zu den Potentialen menschlichen Geistes.

Die zweite Stufe bringt die Freude

Freude ist eine Emotion, die normalerweise von Bedingungen abhängig gemacht wird. In dieser Phase der Meditation braucht es keinen Grund, um Freude zu empfinden. Sie geschieht einfach bedingungslos.
Hier werden Entspannungszustände tiefer und gehen über die rein körperliche Entspannung hinaus. Der Unterschied zu Entspannungstechniken wird hierbei deutlich. Auch Unternehmungsgeist, Klarheit und Frische verstärken sich.

Die dritte Stufe bringt tiefste Zufriedenheit

Wenn die ersten beiden Stufen noch eine gewisse Erregtheit in sich haben, tritt diese nun in den Hintergrund und führt in ein Gefühl tiefster Zufriedenheit. Dies wird möglich, weil der Geist sein natürliches Sehnen nach Freude befriedigen konnte und nun loslassen, sich entspannen und zufrieden sein kann.
Durch verringerte äußere Reize in dieser sehr stillen Phase sucht das Unbewusste nach Orientierung und Sinn. Dabei können Illusionen, wie Lichtpunkte, Farben und Formen vor dem inneren Auge entstehen, die aber keine Bedeutung haben.

Die vierte Stufe bringt die Stille

In der vierten Stufe haben Körpergefühl, Freude und Zufriedenheit keine Bedeutung mehr. Hier breitet sich eine tiefe, wunschlose Stille aus, für die es weder Grund noch Ursache gibt. Es ist die Vertiefung von Zufriedenheit, in der nur noch schemenhaft Gedankenformen auftauchen können, die aber bezugslos sind.

Freude

Freude ist vom ersten bis zum letzten Atemzug ein unauslöschliches Merkmal des Lebens. Sie ist immer in mir, in jedem Moment, an jedem Ort.

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Gewöhnlich schläft die Freude, wenn der Geist mit äußeren Gegebenheiten, diskursivem Denken und Ängsten beschäftigt ist und sie wird dann nur in Abhängigkeit von äußeren Bedingungen geweckt. Sind die Bedingungen vergangen, schläft die Freude wieder ein.

Freude hat mit meinem Geist zu tun. Er erkennt und weiß das, worauf ich ihn richte. Richte ich ihn fokussiert nach innen, was z.B. durch bestimmte meditative Methoden möglich ist, dann kann er die Freude in mir entdecken, erkennen und erleben, ohne dass äußere Bedingungen dafür notwendig sind!
Es ist bedingungslose Freude, die durch eigene Kraft von innen nach außen strahlt und – wie ein Reinigungsagent – Ängste und zweiflerische Gedanken vertreibt, den Mut mobilisiert und die Liebe erwärmt.

Das Beste ist in uns. Es ist ein Schatz, den wir entdecken und heben können, um ihn uns selbst und der Welt zu schenken.

Energetische Reinigung

Diese zweiphasige Übung soll helfen, zu innerer Ruhe und Entspannung zu kommen.

Die erste Phase ist eine reine Atemübung, in der zweiten Phase nutzen wir einen Aspekt des Atems als Anker und Fokus für unsere Achtsamkeit.

Die Übung soll helfen, Habenwollen und Ablehnen, als die beiden grundsätzlichen Muster unserer Gefühle, aufzulösen und die ihnen innewohnende Energie frei und nutzbar machen zu können.
Wir nutzen dabei im Wesentlichen die Achtsamkeit auf unseren Atem in einer stabilen, aufrechten Sitzhaltung.
Für die Übung nehmen wir uns 30 Minuten Zeit und stellen uns dafür einen Wecker.

  1. Sitze aufrecht und schließe Deine Augen
  2. Beginne mit der Wechselatmung
    • verschließe mit dem Daumen Deiner rechten Hand Dein rechtes Nasenloch und atme durch Dein linkes Nasenloch etwa 5-6 Sekunden lang tief ein und denke dabei an „Diesen Energiekanal reinigen!“
    • verschließe nun Dein linkes Nasenloch mit einem Finger und atme durch das rechte Nasenloch genauso lang aus. Denke dabei an „Ablehnung loslassen!“
    • nun atme durch Dein rechtes Nasenloch wieder ein und denke an „Diesen Energiekanal reinigen!“
    • dann verschließe Dein rechtes Nasenloch und atme wieder durch das linke Nasenloch aus. Denke dabei an „Begehrlichkeit loslassen!“
    • folge diesem Ablauf für etwa 5 Minuten.
  3. Atme noch einmal tief ein und aus.
  4. Mache Dir Deine Sitzhaltung bewusst und spüre in Deinen gesamten Körper hinein.
  5. Atme ruhig und natürlich weiter, wobei Du Deine Achtsamkeit auf das Ausatmen legst.
  6. Bei jedem Ausatmen entspanne Deinen Körper immer mehr.
  7. Gehe nun dazu über, den kurzen Moment der Umkehr vom Ausatmen zum Einatmen sehr bewusst wahrzunehmen. Du kannst dabei einen kurzen Moment abwarten, bis Dein Körper von selbst wieder Einatmen möchte. Nimm diesen Umkehrpunkt genau wahr und spüre in diese Stille und Leere hinein.
  8. Wenn Gedanken auftauchen, trenne Dich von ihrem Inhalt und spüre in die Energie des Gedankens hinein. Versuche zu spüren, welche Qualität die Energie hat, aber bewerte es nicht. Vielleicht kannst Du fühlen, ob die Energie des Gedankens begehrlich, ablehnend oder neutral ist. Dann lasse die Energie los und kehre zum Atem zurück.
  9. Wenn Gefühle auftauchen, wende Dich ihrer Energie zu und erspüre, welche Qualität sie hat. Bewerte es nicht. Spüre, ob die Energie des Gefühls begehrlich, ablehnend oder neutral ist. Dann lasse die Energie los und kehre zum Atem zurück.

Was ist Meditation? [3]

Der Konfuse Geist

Viele Gründe bewegen Menschen dazu mit Meditation zu beginnen.
Manche suchen einfach innere Ruhe, andere haben vielleicht Schlafstörungen, wieder andere sind von der Voraussicht auf transzendente Erfahrungen motiviert und wieder andere sind einfach neugierig und wollen sich das mal anschauen.

Bildquelle: Fotalia

Ganz gleich, welche Erwägungen Pate standen, alle werden in der ersten Zeit die gleiche Art von Erfahrung machen.
Sie werden feststellen, dass ihr Geist keine sauber aufgeräumte Stube ist, sondern sich von einer recht chaotischen Seite zeigen wird.

Bei den ersten Versuchen – und auch später noch – tauchen alle möglichen Gedanken auf, ablehnende und begehrende Emotionen und körperliche Empfindungen. Ruhe und Entspannung lassen vergeblich auf sich warten.

Wer im Alltag gewohnt ist, sich effektiv mit allerlei Beschäftigung abzulenken oder ein stressiges Leben führt, ist ständig mit einen umtriebigen Geist unterwegs. In der Meditation hätte man sich jetzt etwas Anderes gewünscht. Daher ist es vor allem für Anfänger besonders hilfreich, zum Meditieren einen ruhigen Platz aufzusuchen, um dem Geist nicht unnötig viel Ablenkung anzubieten.
Beschäftigung, Vernetzung und Sammeln von Informationen, sind dabei seine natürliche Lieblingsbeschäftigung.
Kann man von jemandem erwarten, dass er von heute auf morgen den Hürdenlauf meistert, wenn er Bewegung nicht gewohnt ist? Sicher nicht. Mit dem Geist ist es im Prinzip das Selbe. Er muss und will trainiert werden. Deshalb verwendet man für die Meditation gerne den Begriff der Geistesschulung.

Die Sicht wird frei

Wenn die Meditationspraxis dazu führt, dass die Sicht frei wird, hört sich das schon mal gut an.
Wie schön ist es doch auch, alles klar sehen zu können, wenn man mal die Fenster seiner Wohnung gründlich geputzt hat. Da kommt endlich Licht herein, die Farben werden kräftiger und die Konturen werden schärfer.

Was man aber auch klarer sieht, ist der Unrat, der sich im Laufe der Jahre vor der Haustüre angesammelt hat. Der war zuvor kaum erkennbar gewesen.
Mit unserer Innenwelt ist das nicht anders. Die Konturen der angenehmen Aspekte des Daseins werden schärfer und Gedanken, die sonst nur im Hintergrund ihr Spektakel veranstalteten, kommen während der Meditation aber auch in den Blickpunkt.

Das ist der Moment, an dem sich viele Übende fragen, ob sie sich das wirklich anschauen wollen. Es liegt dann einerseits an der Willenskraft und andererseits an der Unterstützung eines Meditationslehrers, Motivation und Anreize nicht versiegen zu lassen.
Was nämlich folgt, sollte Mut machen und Motivation schaffen.

Motivation fördern

Auch wenn die Meditations-Sitzungen in der ersten Zeit nicht gleich die gewünschte Ruhe bringen, so fördern sie doch interessante Aspekte des Geistes zutage.
Wir merken, dass der Geist beschäftigt sein will, wie ein lebhaftes Kind. dabei springt er von einer Ablenkung zu anderen.
Um ihn zur Ruhe zu bringen wird uns ein Meditationslehrer ein Meditationsobjekt anbieten. In der Regel ist das unser eigener Atem, der von selbst abläuft und auf den man den Geist richten kann, um ihn zu beruhigen.
Als Meditationsobjekt kann aber auch der Körper als Gesamtes dienen, indem man aufmerksam in die einzelnen Bereiche des Körpers hinein spürt, die Empfindung unbewertet wahrnimmt und dann zum nächsten Bereich wechselt. Das trainiert das Annehmen und Akzeptieren einer Empfindung und das Loslassen, wenn man zum nächsten Bereich wechselt.
Selbstverständlich können auch äußere Reize, wie Musik oder die Betrachtung eines Bildes den Geist beruhigen.
Es darf ausprobiert werden, was einem besser liegt. Später zu einem anderen Meditationsobjekt zu wechseln ist immer möglich.

Von der Methode zur Meditation

Wenn wir z.B. die Atembetrachtung als Meditationsobjekt für uns gewählt haben und wir damit einigermaßen zurecht kommen, weil wir den Geist von ablenkenden Gedanken immer wieder zum Anker des Atems zurückbringen können, dann haben wir eine Methode.
Die Methode ist ein Werkzeug oder eine Hilfestellung. Sie ist noch nicht die Meditation.
Als wir noch Kinder waren und das Fahrradfahren lernen wollten, haben uns unsere Eltern vielleicht Stützräder an unser Rad gebaut, damit wir auf unseren ersten Fahrversuchen ein Gefühl für unser Fahrrad bekommen und nicht zur Seite weg kippen. Irgendwann, mit zunehmender Übung, merken wir, dass wir die zusätzlichen Räder immer seltener brauchen.
Das Gleiche geschieht bei der Meditation. Wir trainieren unseren Geist dazu, für Momente ruhig und fokussiert zu sein und mit zunehmender Übung stellen sich diese Momente immer öfter ein. Dann erleben wir, wie sich um unseren Atem panoramaartig ein stiller Raum in uns weitet und wir erleben die ersten Momente in Meditation.
Wer fleißig weiter übt, wird irgendwann sogar auf jegliche Standardmethoden verzichten können. Dann ist Der Alltag selbst die Methode und das ist der eigentliche Zweck der Übung.