Vier Grundlagen der Achtsamkeit

Die vier Grundlagen oder Arten der Achtsamkeit sind aus dem Buddhismus bekannt.
Ob solch eine Auflistung und Darstellung auch woanders zu finden ist, weiß ich nicht. Diese eine soll aber ausreichen.

Achtsamkeit auf

Körper (Kayanupassana)
Allgemeines Körperempfinden, Schmerz, Wohlgefühl.
Gefühl und Emotion (Vedananupassana)
Das momentane Gefühl in dieser Situation, vorherrschende Emotionen.
Die zugrunde liegende Stimmung (Cittanupassana)
Die grundsätzliche, subtile Stimmung.
Gedanken (Dhammanupassana)
Innere Bilder, Überzeugungen, Ansichten und Meinungen.

Ganz klassisch wird Achtsamkeit mit der Konzentration auf die Bewegung des Atems geübt, wodurch sich alle geistigen Bewegungen beruhigen können.
Das ist eine gewollt einfache und wirkungsvolle Methode, welche die Achtsamkeit auf den Körper fokussiert. Die anderen Bereiche werden eher nur tangiert.

Die genannten „geistigen Bewegungen“, wie Körpergefühl, Emotionen, Gemütsstimmung und Gedanken, sind natürlich immer vorhanden. Bei der Methode der Atembetrachtung lerne ich weniger über sie, weil ich immer wieder zurück auf den Atem fokussiere. Auch werden sie nicht alle gleichermaßen und gleichzeitig bewusst wahrgenommen, sondern sie wirken oft aus dem Hintergrund, aber sie wirken! Mal ist das Eine präsenter, mal das Andere.
Wenn solch eine Bewegung im Tagesbewusstsein auftaucht, wird sie gewohnheitsmäßig bewertet, beurteilt und kommentiert. Der innere Zensor findet es dann gut, schlecht oder neutral was sich da zeigt und der Geist fragmentiert sich grob formuliert in „Ich“ und „das Andere“, wobei das „Andere“ dem entspricht was gerade auftaucht und bewertet wird.

Tatsächlich existieren „Ich“ und „das Andere“ als selbständige Formen nicht. Es sind Vorstellungen. Die verschiedenen geistigen Bewegungen, die in den vier Grundlagen der Achtsamkeit definiert werden, sind im Grunde nur eine einzige Geistesbewegung, die sich in unterschiedlicher „Schwingung“ darstellt. Es sei beispielhaft bildlich beschrieben als die selbe Form in veränderlicher Farbe oder die veränderliche Tonlage der selben Stimme.

Die vier Arten der Achtsamkeit kennen lernen

Da ist eine einfache meditative Methode, um die vier Arten der Achtsamkeit durch genaues Betrachten der vier Bereiche besser kennen zu lernen!

Ich veranschlage grundsätzlich eine gewisse Zeitspanne für meine Übung!
Vielleicht 30 Minuten, in denen ich – am besten in Meditationshaltung – nur für mich da bin.

Ich bin wach, offen und aufmerksam für mich selbst. Ich komme gewissermaßen zu Besuch zu mir selbst.

Ich rufe mir in Erinnerung, alles was in mir auftaucht, liebevoll und bewertungsfrei anzunehmen und im Geiste zu umarmen, eben so, wie eine liebende Mutter ihr Kind behandelt. Was in mir auftaucht, sind „meine Kinder“. Um es anschaulich zu machen, stelle ich mir vor, dass die vier Bereiche Familienmitglieder sind, die in vier Zimmern der selben Wohnung zusammen leben.

Ablauf

Zunächst „checke“ ich bei mir selbst ein, indem ich für ein paar Minuten aufmerksam meinen Atem begleite.

Dann wandere ich in meiner Wahrnehmung von Kopf bis Fuß durch meinen Körper und werde mir bewusst, wie er sich anfühlt.

Ich wechsele dann auf die Ebene von Gefühl und Emotion und stelle fest, welche vorherrschende Emotion oder welches Gefühl in diesem Moment präsent ist.

Als nächstes versuche ich aufmerksam wahrzunehmen, welche Grundstimmung zur Zeit in mir vorhanden ist. Das kann sehr subtil sein und wird sich vielleicht im ersten Moment nicht gleich zeigen. Das macht aber nichts.

Die wohl am einfachsten wahrzunehmende Ebene ist die der Gedanken, Bilder, Überzeugungen und Meinungen. Ich beobachte einfach entspannt, welche Gedanken und Bilder auftauchen. Es ist wie das Betrachten eines Films, ohne zu kommentieren.

Mit der zweiten Runde beginne ich wieder auf der Körperebene bis zur gedanklichen Ebene und kann nun feststellen, was sich in meinem Empfinden verändert hat.
Die Veränderlichkeit und Vergänglichkeit ist ein entscheidender Punkt bei der gesamten Übung.

Nachdem ich mich mit meinen vier Ebenen vertraut gemacht habe, warte ich für einige Momente ab, welche Ebene mich am deutlichsten zu einem „Dialog“ einlädt. Gewöhnlich werden es Gedanken und Bilder sein, die sich zunächst in den Vordergrund bringen. Ich kann aber auch bei einer anderen Ebene „nachfragen“, wie sie sich fühlt und meine Achtsamkeit dorthin verlagern.

Sehr wichtig in den Dialogen mit mir selbst ist ein liebevoller und freundlicher Umgang und aufmerksames „Zuhören“ und dann natürlich immer wieder die Wahrnehmung der Veränderungen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei mir selbst und versuche eine Gesamtsicht darauf entstehen zu lassen, wie es sich nun nach dieser Übung in mir anfühlt.