Motivation
Menschen, die sich entschließen Meditation zu beginnen, haben natürlich ein motivierendes Ziel, das sie mit der Meditationspraxis verbinden.
In sehr vielen Fällen geht es um einen Ausgleich von negativen Effekten, die sich durch die Herausforderungen unserer komplexen Leistungsgesellschaft zeigen.
Ruhe, Entspannung und ein friedvoller Umgang mit sich selbst und der täglichen Lebensumgebung, sind motivierende Ziele, die auf dem Plan stehen.
Oft ist es der Wunsch, Glück und Wohlbefinden in sich selbst zu finden, ohne zu sehr von äußeren Bedingungen abhängig zu sein.
Letzteres verkörpert tatsächlich einen Sinn meditativer Praxis. Man möchte z.B. möglichen Schmerz nicht zu Leiden werden zu lassen, die Freude nicht auf bloße Vergnügung reduzieren und inneren Frieden nicht von äußeren Bedingungen abhängig machen, sondern ihn in sich selbst finden und in der Folge sogar nach außen in die Welt strahlen.
Ruhe und Entspannung, die gewöhnlich als Instant-Effekte wunschvoll erwartet werden, sind im Paket der Praxis zwar enthalten, aber sie sind lediglich Nebeneffekte, was sie natürlich nicht schlechter macht.
Der Sinn, die Bedeutung von Meditation, ist, tief zu verstehen, wie unser Geist funktioniert und dann zu verstehen, wie wir von antrainierten Denk- und Handlungsmustern meist sehr unbewusst geführt werden und damit immer wieder in die gleichen oder ähnlichen Situationen geraten, die wir nicht wirklich als heilsam für uns und andere empfinden.
Das hehre Ziel von Meditation ist, unheilsame Muster allmählich aufzulösen, nachdem ich sie klar erkannt habe und sie dann durch neue, heilsame Gewohnheiten zu ersetzen.
Mit „Verstehen“ ist nicht das analytische, rationale Verstehen gemeint, das man durch Lesen von schlauen Texten oder Teilnahme an Vorträgen in sich aufnimmt. Mit Verstehen ist vielmehr ein „fühlendes Erleben“ gemeint, das nicht auf Angelesenes und Abgespeichertes angewiesen ist.
Wer oder was da etwas „versteht“, ist eine Instanz, die schon immer da war, noch bevor man sich überhaupt das erste Mal mit der Mystik des Daseins beschäftigt hatte. Diese Instanz ist innerster Teil von uns und hat nichts mit intellektueller Bildung oder sozialer, kultureller oder religiöser Zugehörigkeit zu tun.
Die Frage, warum man denn nicht immer auf diese verheißungsvolle Instanz zurückgreift, ist leicht zu beantworten. Wir Menschen sind sehr auf Außenorientierung fixiert, während unsere Orientierung nach innen kaum nennenswert ernsthaften Stellenwert hat.
Das Außen, die Welt, die Anderen, nehmen, drastisch formuliert, Positionen entweder als Freund oder Feind ein und werden damit aus dem dualistischen Blickwinkel einsortiert. Wir wenden dieses Prinzip sogar auf uns selbst an und werden uns dabei selbst zum Freund oder Feind.
Überhaupt erst einmal zu erkennen, was in uns passiert, ist der erste und wichtigste Schritt. Das bedeutet nicht, dass es dann schon verändert werden kann, denn das was da in uns passiert, beruht auf oft sehr lange kultivierten Gewohnheiten, die sich immer und immer wieder in den Vordergrund drängen, bis wir endlich mal fühlend erleben, dass diese Gewohnheiten nur energetische Bewegungen in uns sind und wir, die es wahrnehmen und beobachten, tatsächlich Zuschauer sind.
Mit dieser eben formulierten Beschreibung des fühlenden Erlebens wird wahrscheinlich jeder intellektuell einverstanden sein und es sowohl erinnern, als es auch später wiedergeben können, aber es ist ein gravierender Unterschied, ob ich es in eigener Erfahrung wirklich fühlend erleben kann oder mein analytischer Verstand diesmal einfach nur einverstanden ist, weil er keine logischen Fehler entdecken konnte.
Bis diese oben erwähnte Instanz erlebbar ist, braucht es Übung, Geduld und Willenskraft. Ebenso wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, braucht es Zeit, bis der Geist das Potential seiner ursprünglichen Klarheit entwickelt hat. Meditation ist ein Übungsweg, für den man bereit sein muss.
Wenn du schon mal an der Kante des 10-Meter-Brettes im Schwimmbad gestanden hast, wirst du wissen, wieviel Mut, Entschlusskraft und Bereitschaft es braucht, um zu springen. Man wird auch hier vollkommen neue Lebenserfahrungen auf dem Weg zum Ziel machen. Man verliert den Halt an lange geübten Reaktionen und Gewohnheiten, erfährt Angst und Zweifel und hat auf der anderen Seite die Möglichkeit Vertrauen in seine Potentiale ganz neu zu entdecken.

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