Bis dich die Stille ganz umfängt…

Der Weg in das intensive Erleben von Meditation, wird oft als eine streng zielgerichtete Handlung verstanden. Zielgerichtete Handlungen sind naturgemäß von Bedingungen abhängig, die zu erfüllen sind.

Innere Ruhe

Die innere Haltung zur Meditation ist aber genau das nicht, sondern sie ist bedingungslos loslassend und ist nur als Einstiegshilfe in die Praxis an methodisches Vorgehen gebunden.

Gar nicht so einfach, wenn man gewohnt ist, sich zielorientiert einem Vorhaben zu widmen, oder?

Bevor man sich zur Meditationsübung setzt, kann man sich diesen sehr wichtigen und nicht alltäglich gewohnten Umstand einmal ganz klar bewusst machen und verinnerlichen. Es gibt nichts zu erreichen und es gibt nichts zu erfüllen. Es geht lediglich um Präsenz im jeweiligen Augenblick.

Schon bevor man sich zur Übung setzt, ist es sehr hilfreich, alles, was einem der Geist an Bedingungen und Ideen für den Ablauf der Übung vorschlägt, friedvoll gehen zu lassen.

Das ist eine Form der gleichmütigen inneren Entspannung, die bereits ein grundlegender Teil meditativer Einstellung zur Praxis ist. Es ist bereits ein Anklopfen an der Türe zur Meditation.

Die eigentliche praktische Übung besteht dann darin, den Geist durch eine Methode zu beruhigen, indem man die Wahrnehmung an eine entspannt zu verfolgende Körperfunktion oder Tätigkeit bindet.

Es gleicht der liebevollen Anleitung eines Kindes, denn der ungeschulte Geist gleicht der Launenhaftigkeit eine Kindes. Meditationspraxis wird daher auch Geistesschulung genannt.

Klassischerweise kann die angewendete Methode die Beobachtung der Atembewegung sein, um die herum sich gewöhnlich Gedanken und innere Bilder bewegen mögen, die aber entspannt und gleichmütig zugelassen und losgelassen werden.

Es muss nicht der Atem sein.

Es kann alles sein, bei dem man sich als Übender nicht strategisch anstrengen muss. So kann Tanzen, Gehen, Musizieren, Singen, Zuhören o.Ä. sehr gut als sogenanntes Meditationsobjekt genutzt werden.

In der Meditation geht es nicht um das Erfüllen einer Bedingung oder um das Erreichen eines Ziels, sondern um die vollkommen entspannte Beobachtung bewegter Veränderlichkeit des Erlebens, als universales Prinzip des Lebens schlechthin. Die Dinge und Wahrnehmungen verändern sich unaufhörlich, wie die Form und Bewegung der Wolken am Himmel, ohne dass ich darauf Einfluss nehmen kann, und ohne dass ich davon betroffen bin. Ich verfolge in entspannter Gleichmütigkeit die veränderliche Bewegung der Dinge in mir und um mich herum, gehe vollkommen entspannt im Geschehen auf.

Dann folgt ein weiterer Schritt, der bereits als markanter Eintritt in den inneren Raum der Meditation erlebt werden kann.

Gedanken, Emotionen, Gefühle und körperliche Empfindungen, die ich im gewohnten Alltag als meine einzig manifeste Welt mit meinen Sinnen wahrnehme, werden zu einer transparenten Szenerie, in deren Hintergrund eine tiefe Stille erkennbar wird.

Im Verlauf der Übung kann die vordergründige Szenerie immer transparenter und traumgleicher werden, während die Stille aus dem Hintergrund zunehmend als klare Wahrnehmung in den Vordergrund rückt.

Diese Veränderung der Wahrnehmung deckt sich mit der Aussage „Die Welt ist Illusion“, vieler erfahrener Meister. Die gewohnte Sicht der Welt, einschließlich meiner Gedanken, Emotionen und meines eigenen Körpers, sind als Wahrnehmung eine Interpretation meines Gehirns, das im Tagesbewusstsein unaufhörlich mit dem Vergleichen, Sortieren und Interpretieren der Dinge beschäftigt ist.

Die Dinge so zu erkennen, wie sie wirklich sind, bedeutet, die interpretierende, vergleichende und bewertende Funktion des Geistes durch Übung  aus dem Fokus zu nehmen und die Dinge in einem völlig neuen Licht zu sehen.

Dies ist der Beginn einer weiteren Vertiefung der Meditation, mit der sich meist ein Gefühl bedingungsloser Liebe, innerem Frieden und ungebundener Weite und Offenheit einstellen kann. Es entspricht der Essenz unserer inneren Natur.

Tatsächlich ist es so, dass die Früchte meiner Übungspraxis nicht auf dem Meditationskissen zurück bleiben. Tatsächlich werde ich sie in meinem Alltag wieder finden, indem ich merke, dass sich mein Verhalten gegenüber mir selbst und meiner Umgebung verändert hat. Nicht notwendig zu betonen, dass die Meditationspraxis genau diesem Zweck dient.

Selbstverständlich muss auch erklärt werden, dass Geistesschulung nicht nur angenehm ist. Selbstverständlich bringe ich als Übender ungeliebte Muster, Traumata und Gewohnheiten mit in die Praxis. Wie könnte es anders sein, als dass sie sich genau dort zeigen? Präsenz und Offenheit strahlen in alle Richtungen, wie die Sonne, und in diesem Sinne eben auch auf unangenehme Aspekte des Seins, die aber geduldig in liebevoller Weise Stück für Stück aufgelöst werden können, sofern man als Übender Geduld und Willenskraft einbringen kann.

Letzteres, Geduld und Willenskraft, sind eine unvermeidliche Voraussetzung für die Meditationspraxis. Wer glaubt, auf die Schnelle große Fortschritte in der inneren Entwicklung machen zu können, begeht einen Irrtum. Fortschritte in der Meditation zeigen sich langsam, aber stetig und werden einem dann zur neuen Natur.


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