Zugehörigkeit zu einer Gruppe oder Gemeinschaft, ist ein fundamentaler menschlicher Beweggrund. Insbesondere in den Frühzeiten der Menschheitsgeschichte, war es überlebenswichtig in eine Gemeinschaft eingebunden zu sein. Per Strafe ausgeschlossen zu werden, war mit einem Todesurteil gleichzusetzen.
Dieser Trieb nach Zugehörigkeit ist tief in uns verankert und zeigt sich in vielen Aspekten gesellschaftlichen Miteinanders, aber auch im Bestreben zu Abgrenzung von anderen Gruppen.
Man identifiziert sich mit einer bestimmten Glaubensrichtung, einer Nationalität oder Ethnie. Es zeigt sich aber auch in der Identifikation mit einer Fußballmannschaft, einer Automarke oder einer politischen Partei.
Zugehörigkeit und Identifikation sind also immanente Bestandteile unseres Menschseins.
Im Kontext zu spirituellen Lehren wird diese Selbstverständlichkeit eingeschränkt. Demnach müsse die Anlage zur Identifikation überwunden werden, um wirkliche Klarheit und Glück zu erlangen.
So argumentierte Jiddu Krishnamurti, dass der Prozess der Identifikation den Geist durch diese psychologische Abhängigkeit daran hindere frei und unvoreingenommen zu sein. Er ermutigte die Menschen, sich ihrer Tendenzen zur Identifikation bewusst zu werden, um ein tieferes Verständnis ihrer eigenen Gedankenprozesse zu erlangen und um zu lernen, die Welt ohne die Verzerrungen von Vorurteilen oder vorgefassten Meinungen zu sehen.
Auch Osho argumentierte, dass Identifikationen, mit was auch immer, das wahre Selbst verdecken und zu Illusionen und Unfreiheit führen. Er ermutigte seine Anhänger, Meditation und Bewusstheit zu praktizieren, um die inneren Prozesse zu erkennen und zu verstehen und sich von ihnen zu befreien.
Gerade in unserer aktuellen Zeit stellt das Festhalten an Identifikationen ein Hindernis auf dem Weg zu innerer Freiheit dar, indem an Meinungen und Überzeugungen festgehalten wird und das Infragestellen oft als Angriff bewertet wird. Schließlich konstruieren vor allem auch unsere Meinungen und Überzeugungen unser Selbst- und Weltbild, an dem das “Ich” festhält.
Eine einfache Übung, um Identifikationen auf die Spur zu kommen, könnte darin bestehen, in sich hinein zu spüren und zu erkunden, was sich in mir durch ein Infragestellen angegriffen und bedroht fühlt. Welche Reaktion springt dabei heraus? Wie fühlt sie sich an und wo kann ich es lokalisieren?
Jiddu Krishnamurti (1895–1986) war ein einflussreicher indischer Philosoph, spiritueller Lehrer und Redner, der für seine unorthodoxen Ansichten über Religion, Erziehung, Beziehungen und den menschlichen Geist bekannt ist. Er lehnte jede Form von Organisation, Dogma oder Gurusystem ab und forderte die Menschen dazu auf, sich selbst zu verstehen und frei von konditionierten Denkweisen zu werden.

Osho, mit bürgerlichem Namen Chandra Mohan Jain (1931–1990), war ein indischer spiritueller Lehrer, Mystiker und Begründer einer spirituellen Bewegung, die weltweit Anhänger fand. Er ist auch unter den Namen Bhagwan Shree Rajneesh und später einfach als Osho bekannt.


Hinterlasse einen Kommentar