Der hauptsächliche Zeuge

„Halte dich an den hauptsächlichen der beiden Zeugen!“.
Eine Lojong-Losung. Ein buddhistischer Merkspruch.

Solche Merksprüche gibt es unzählige. Und selbstverständlich kann man sich auch selbst eine Lojong-Losung ausdenken.
Diese Losungen sollen mich an etwas Wichtiges erinnern. Sie sind Einsichten oder Affirmationen, die mich den Tag über begleiten und leiten.

Der genannte Spruch „Halte dich an den hauptsächlichen der beiden Zeugen!“, bedeutet, sich an sich selbst zu halten, da man der Einzige ist, der weiß wie man sich fühlt und was gerade geschieht.

Es gab und gibt wunderbare Lehrer, Mentoren, Coaches, aber sie stehen lediglich in der zweiten Reihe. Sie sind indirekte Zeugen, die sehr hilfreich sein können. Wirkliche Erkenntnisse und Einsichten kann ich aber nur selbst haben. Ein Lehrer kann sie nicht für mich erleben. Ich kann es nur für mich selbst.

Entscheidend dabei ist, dass ich wachsam, aufmerksam, offen und geduldig bin und nichts als unbedeutend abtue….

Konzentration

Wenn ich mich durch Abwehr von Ablenkung auf meinen Atem zu konzentrieren versuche, um das Ziel der Stille zu erreichen, dann ist es anstrengende Kopfarbeit. Es gleicht einem ungeduldigen Kampf aus Begierde und Ablehnung.
Es ist die Anspannung aus aggressivem Abwehren von unerwünschten Gedanken und begierigem Herbeisehnen von Stille.

Einfach das Ziel der Stille vollkommen loszulassen und mich geduldig und liebevoll immer wieder an meinen Atem zu erinnern, beendet den Kampf, der mich von der Stille trennt.

„Wird mit dem Gehirn konzentriert, treten Hitzegefühle und sogar Kopfschmerzen auf. Konzentration muss im Herzen erfolgen, das kühl und erfrischend ist. Entspannen Sie sich und Ihre Meditation wird einfach sein. Halten Sie Ihren Geist ruhig, indem Sie alle eindringenden Gedanken sanft abwehren – aber ohne Anstrengung – bald werden Sie Erfolg haben.“

Sri Ramana Maharshi

Flausen im Kopf?

Wenn du dich dafür entscheidest es mit Meditation einmal zu versuchen, kann es sein, dass dir jemand gesagt hat es sei gut für dich.
Natürlich ist es gut für dich, aber es ist vielleicht nicht dein wirklicher Entschluss, sondern du folgst möglicherweise nur einem gut gemeinten Rat.
Es könnte sein, dass du Meditation mit Unterhaltung und mit sofortigen Wirkungen verwechselst? Sei ehrlich!

Wenn du ein ambitionierter Bodyworker bist und fleißig deinen Körper an Geräten trainierst, kannst du Vergleiche ziehen, was dich in der Meditationspraxis erwartet.
Ja, es braucht Ausdauer, Entschlusskraft und Geduld. Ebenso wie Muskeln nicht über Nacht zu Paketen heranwachsen, so musst du auch deinen Geist mit Ausdauer, Entschlusskraft und Geduld trainieren, wenn sich etwas bewegen soll.
Stell dir einen Akrobaten vor! Wie oft wird er vom dünnen Seil herunter fallen, auf dem er irgendwann mit sicherem Schritt entlang spazieren will? Wieviel Geduld, Ausdauer und Entschlusskraft muss er aufbringen, bis er endlich, wie auf sicherem Boden, auf diesem Seil tanzen kann?!

Meditation ist nichts Schwieriges. Was es schwierig macht, ist vielleicht deine jahrelang gepflegte Gewohnheit dich abzulenken, ruhelos zu sein, dich nicht fest entschließen zu können und Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Es sind vielleicht die Hindernisse, die dich immer wieder in ähnliche Situationen führen.

Wenn du mit Meditation beginnst, kann es sein, dass dein Geist dich nicht zur Ruhe kommen lässt. Er benimmt sich wie ein junger Hund, der auf nichts hört und nur Unsinn im Kopf hat.
Wenn du auf diesen jungen Hund eingehst, dich ihm geduldig zuwendest, konsequent bist und seine Bedürfnisse und Ängste erkennst und verstehst und ihr beide eure Sprache verstehen lernt, könnt ihr ein wundervolles Team werden, das durch Dick und Dünn miteinander geht. Ihr schließt Freundschaft miteinander.

Meditation bedeutet Freundschaft mit sich selbst zu schließen. Das bedeutet liebevoll, geduldig, mitfühlend, ehrlich und verständnisvoll mit sich selbst zu sein.

Natürlich geht es nicht wie auf Knopfdruck. Es braucht Zeit und Übung und für den Anfang ist etwas korrekte Anleitung ganz enorm hilfreich.
Wenn du dann wirklich entschlossen sein solltest diese Reise nach innen anzutreten und konsequent dabei bleibst, wird sich ein Tor zu einer inneren Welt öffnen, zu der deine gewohnten Flausen immer seltener Zugang haben werden.
Du erlebst dich liebevoller, mitfühlender, ausgeglichener, sanftmütiger und friedvoller und du schöpfst zunehmend aus eigener Kraft und Klarheit und all das strahlst du aus.

Nein, Meditation setzt dir keine Flausen in den Kopf.
Sie kann dich zu dem wundervollen Wesen machen, das schon lange auf deinen Entschluss wartet.

Drei Komponenten der Aufmerksamkeit

In wissenschaftlichen Studien hat man Aufmerksamkeit in drei Komponenten aufgeteilt, die sich in Umgang und Ergebnis unterscheiden.

Exekutive Aufmerksamkeit beschreibt die Fähigkeit, trotz ablenkender Reize für Momente fokussiert bei einer Sache zu bleiben.
Dies geschieht z.B. bei der Samatha-Ruhemeditation, wenn sich Übende auf das Verfolgen der Atemtätigkeit konzentrieren und bei Ablenkung immer wieder zur Betrachtung des Atems zurückkehren.

Vigilanz beschreibt die Fähigkeit, trotz ablenkender Reize konsequent bei einer Sache zu bleiben. Vigilanz stellt sich für Übende der Samatha-Ruhemeditation nach längerer Übung ein.

Selektive Aufmerksamkeit beschreibt die Fähigkeit, unter einer Vielzahl von Reizen auszuwählen und selektiv kontrolliert von einem Reiz zum nächsten zu springen.
Dies geschieht z.B. bei der Stück-für-Stück-Meditation, bei der mit dem Prinzip des BodyScan nacheinander die einzelnen Bereiche des Körpers wahrgenommen werden.


Siehe „Achtsamkeit mitten im Leben“, B. Hölzel, C. Brähler, ab S. 46.

Vier Grundlagen der Achtsamkeit

Die vier Grundlagen oder Arten der Achtsamkeit sind aus dem Buddhismus bekannt.
Ob solch eine Auflistung und Darstellung auch woanders zu finden ist, weiß ich nicht. Diese eine soll aber ausreichen.

Achtsamkeit auf

Körper (Kayanupassana)
Allgemeines Körperempfinden, Schmerz, Wohlgefühl.
Gefühl und Emotion (Vedananupassana)
Das momentane Gefühl in dieser Situation, vorherrschende Emotionen.
Die zugrunde liegende Stimmung (Cittanupassana)
Die grundsätzliche, subtile Stimmung.
Gedanken (Dhammanupassana)
Innere Bilder, Überzeugungen, Ansichten und Meinungen.

Die Betrachtung der vier Arten der Achtsamkeit entsprechen einem passiv betrachtenden Prozess der Kontemplation, während Meditation eine bewusst aktive Ausrichtung auf ein Meditationsobjekt ist.

Ganz klassisch wird Achtsamkeit mit der Konzentration auf die Bewegung des Atems geübt, wodurch sich alle geistigen Bewegungen beruhigen können.
Das ist eine gewollt einfache und wirkungsvolle Methode, welche die Achtsamkeit auf den Körper fokussiert. Die anderen Bereiche werden eher nur tangiert.

Die genannten „geistigen Bewegungen“, wie Körpergefühl, Emotionen, Gemütsstimmung und Gedanken, sind natürlich immer vorhanden. Bei der Methode der Atembetrachtung lerne ich weniger über sie, weil ich immer wieder zurück auf den Atem fokussiere. Auch werden sie nicht alle gleichermaßen und gleichzeitig bewusst wahrgenommen, sondern sie wirken oft aus dem Hintergrund, aber sie wirken! Mal ist das Eine präsenter, mal das Andere.
Wenn solch eine Bewegung im Tagesbewusstsein auftaucht, wird sie gewohnheitsmäßig bewertet, beurteilt und kommentiert. Der innere Zensor findet es dann gut, schlecht oder neutral was sich da zeigt und der Geist fragmentiert sich grob formuliert in „Ich“ und „das Andere“, wobei das „Andere“ dem entspricht was gerade auftaucht und bewertet wird.

Tatsächlich existieren „Ich“ und „das Andere“ als selbständige Formen nicht. Es sind Vorstellungen. Die verschiedenen geistigen Bewegungen, die in den vier Grundlagen der Achtsamkeit definiert werden, sind im Grunde nur eine einzige Geistesbewegung, die sich in unterschiedlicher „Schwingung“ darstellt. Es sei beispielhaft bildlich beschrieben als die selbe Form in veränderlicher Farbe oder die veränderliche Tonlage der selben Stimme.

Die vier Arten der Achtsamkeit kennen lernen

Da ist eine einfache meditative Methode, um die vier Arten der Achtsamkeit durch genaues Betrachten der vier Bereiche besser kennen zu lernen!

Ich veranschlage grundsätzlich eine gewisse Zeitspanne für meine Übung!
Vielleicht 30 Minuten, in denen ich – am besten in Meditationshaltung – nur für mich da bin.

Ich bin wach, offen und aufmerksam für mich selbst. Ich komme gewissermaßen zu Besuch zu mir selbst.

Ich rufe mir in Erinnerung, alles was in mir auftaucht, liebevoll und bewertungsfrei anzunehmen und im Geiste zu umarmen, eben so, wie eine liebende Mutter ihr Kind behandelt. Was in mir auftaucht, sind „meine Kinder“. Um es anschaulich zu machen, stelle ich mir vor, dass die vier Bereiche Familienmitglieder sind, die in vier Zimmern der selben Wohnung zusammen leben.

Ablauf

Zunächst „checke“ ich bei mir selbst ein, indem ich für ein paar Minuten aufmerksam meinen Atem begleite.

Dann wandere ich in meiner Wahrnehmung von Kopf bis Fuß durch meinen Körper und werde mir bewusst, wie er sich anfühlt.

Ich wechsele dann auf die Ebene von Gefühl und Emotion und stelle fest, welche vorherrschende Emotion oder welches Gefühl in diesem Moment präsent ist.

Als nächstes versuche ich aufmerksam wahrzunehmen, welche Grundstimmung zur Zeit in mir vorhanden ist. Das kann sehr subtil sein und wird sich vielleicht im ersten Moment nicht gleich zeigen. Das macht aber nichts.

Die wohl am einfachsten wahrzunehmende Ebene ist die der Gedanken, Bilder, Überzeugungen und Meinungen. Ich beobachte einfach entspannt, welche Gedanken und Bilder auftauchen. Es ist wie das Betrachten eines Films, ohne zu kommentieren.

Mit der zweiten Runde beginne ich wieder auf der Körperebene bis zur gedanklichen Ebene und kann nun feststellen, was sich in meinem Empfinden verändert hat.
Die Veränderlichkeit und Vergänglichkeit ist ein entscheidender Punkt bei der gesamten Übung.

Nachdem ich mich mit meinen vier Ebenen vertraut gemacht habe, warte ich für einige Momente ab, welche Ebene mich am deutlichsten zu einem „Dialog“ einlädt. Gewöhnlich werden es Gedanken und Bilder sein, die sich zunächst in den Vordergrund bringen. Ich kann aber auch bei einer anderen Ebene „nachfragen“, wie sie sich fühlt und meine Achtsamkeit dorthin verlagern.

Sehr wichtig in den Dialogen mit mir selbst ist ein liebevoller und freundlicher Umgang und aufmerksames „Zuhören“ und dann natürlich immer wieder die Wahrnehmung der Veränderungen.

Zum Schluss bedanke ich mich bei mir selbst und versuche eine Gesamtsicht darauf entstehen zu lassen, wie es sich nun nach dieser Übung in mir anfühlt.


Es ist an der Zeit…

Hier ein Text von Viveka Groten, einer befreundeten energetisch-spirituell begleitenden Traumatherapeutin. Sie widmet sich in ihrem Text der aktuellen Entwicklung in unserer Welt.

Jetzt ist die Zeit, in der wir dazu eingeladen sind, uns vom Leben noch viel tiefer berühren zu lassen. Jenseits der gewohnten Tiefe öffnet sich das Nichtwissen für uns. Das Nichtwissen ist das Feld der unendlichen Möglichkeiten. Die Wellen schlagen hoch.Was letztes Jahr für viele Menschen noch unvorstellbar war, vollzieht sich vor unseren Augen. Es wird von vielen immer noch verleugnet oder relativiert, obwohl an immer mehr Stellen die Sch….. hochquillt. So wie im Außen der Wahnsinn immer sichtbarer wird, wird auch innerlich sichtbar, was zuvor nicht berührt wurde. Alte Traumata, Generationen zurück liegende, ungelöste kollektive Erfahrungen und alles, was ungesehen ist, will sich befreien. Es geht darum, uns über den Schmerz hinaus immer mehr zu öffnen und uns in die Hingabe führen zu lassen.Je mehr Kontrolle im Spiel ist, desto mehr Schmerz ist da. Je mehr wir uns der unausweichlichen kosmischen und energetischen Dynamik öffnen, desto leichter kann es abfließen und frei werden. Die, die jetzt die Realität, die sich um uns aufbaut, nicht sehen wollen, sind die, die auch in sich selbst nicht hinschauen wollen oder können. Die das, was sie mit eigenen Augen sehen, nicht glauben, weil sie es nicht wahr haben wollen. Die Realität ist schonungslos und schert sich nicht darum, wie sehr du vom Weltfrieden träumst. Das Wegschauen und die Ignoranz hat uns an genau diesen Punkt gebracht und jetzt geht es darum, sich berühren zu lassen. Davon, was du oder ich mit dem Schweigen, mit der Selbstverleugnung, mit dem Zuschauen, dem Konsumieren und dem entertainen lassen, dazu beigetragen haben. Das Verleugnen ist die Haltung eines Menschen, der sich auf das Abgeben der Verantwortung zurück gezogen hat. Es ist die Haltung von Menschen, die sich dem Offensichtlichen zum Trotz, auf die Seite der Mächtigen schlagen. Um dann vielleicht weniger zu Schaden zu kommen, um sich nicht so ohnmächtig zu fühlen. Nicht sehend, dass es die Wurzel allen Übels ist. Die eigene Macht abzugeben an Menschen und Systeme, die alles andere als wohlwollend sind. Die ausbeuten, unterdrücken,vorsätzlich Unwahrheit und Schrecken verbreiten, Schwache noch schwächer machen, Menschen entwürdigen und brechen, um sie gefügig zu machen. Um sie vollständig zum Schweigen zu bringen, sie zu Funktionseinheiten zu reduzieren. Es geht mir, und hier, nicht um Schuldzuweisung, ich könnte es auch anders formulieren, aber ich habe keine Lust auf political correctness. Davon habe ich mich befreit. Aber es ist mir nicht egal, wie die Welt um mich herum sich entwickelt. Auch wenn sie in gewisser Weise immer schon so war. Die Strukturen sind sehr lange schon da, nur kommen sie immer mehr an die sichtbare Oberfläche. So ziemlich alles, was jetzt und in nächster Zeit passieren wird, habe ich schon lange kommen sehen.Es ist für mich nicht verwunderlich, dass die Masse der Leute in der Schockstarre ist, in einem Wahrnehmungstunnel, der sie nicht sehen lässt, was geschieht. Und ich weiß, dass nach dem auf uns zukommenden Chaos, alles in eine neue Ordnung kommen wird. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es eine Umstrukturierung ist, die mir nicht gefallen wird. Und genauso sehe ich, dass viele neue Dinge entstehen, die aus der Not heraus entstehen. Not macht erfinderisch und zwingt uns tiefer zu gehen, kreativ zu werden in Bereichen, die vorher von der alltäglichen Bequemlichkeit eingelullt waren. Es ist eine Zeit, in der es um die Wahrhaftigkeit geht. Darum, die Wahrheit unter dem, was sich an der Oberfläche zeigt, rauszufinden. Mich interessieren die menschlichen Abgründe ebenso, wie mich unsere unendlichen Möglichkeiten und Ressourcen berühren. Ich habe eine innere Haltung, der ich schon sehr lange treu bin. Es ist die Stimme meines Herzens und meiner intuitiven Wahrheit und inneren Weisheit, der ich folge.Alles andere hat für mich keine Relevanz mehr, ich vertraue meiner Wahrnehmung und meiner Möglichkeit Zusammenhänge zu spüren und zu erkennen.Ich vertraue meiner Kraft, meiner Feinfühligkeit und dem Kontakt zu meiner Seele und darauf, dass ich geführt werde. Und ich nutze diese Zeit um noch wacher und wahrhaftiger zu werden. Als Menschheit wird uns unser Desinteresse an den Gesetzen der Schöpfung, unsere Ignoranz und unsere Verantwortungslosigkeit und vor allem auch die fehlende Liebe und Wertschätzung zur Existenz an sich gespiegelt. Es geht, und ging noch nie darum, wer Recht hat. Recht haben bringt uns nicht weiter, weder im Kleinen noch im Großen. Es geht darum, in welcher Welt du aufwachen wirst und was jeder von uns, der sieht und/oder begleitet, dazu beitragen kann. Und ob du, wenn du gegen deine eigenen inneren Wände läufst, dich traust hinzuschauen. Nach Innen zu lauschen. Die eigenen Verwerfungen und Lügen zu erkennen und frei zu geben. Die Unterdrückung der eigenen Lebenskraft und Liebe erkennst als das Grundübel jedes scheinbaren Unglücks. Unter der Selbstverleugnung finden wir alles, was wir für ein verbundenes Leben brauchen. Niemand kann uns das abnehmen, es lässt sich nicht delegieren und geht auch nicht weg, indem wir uns die Hände vor die Augen halten und auf Erlösung hoffen. Erinnere dich an das, was nie verloren gehen kann. Lass dich nicht reinziehen in den Wahnsinn und sei trotzdem nicht blind und gleichgültig. Es geht um die innere Harmonie, um die Wahrheit, die wir in uns finden, wenn wir uns berühren lassen vom Leben. Es ist eine gute Zeit zum Ausmisten von altem Glauben, nicht mehr haltbaren inneren und äußeren Strukturen und zum Aufgeben von Lügen, die wir uns und anderen erzählen. Die innere Wahrheit, die Liebe, die Sanftheit und die Kraft, die innere Stimme und die innere Stimmigkeit finden wir,indem wir uns erinnern,an das was in uns geschlafen hat.

Viveka Groten

Geduld!

Geduld. Ja!! Bei fast jeder meiner Meditations-Events, die ich online oder in Präsenz veranstalte, sage ich, dass Geduld eine der wichtigsten Bedingungen ist, um Meditation erlernen und entwickeln zu können. Und auch ein „Ja!!“ für Friede, Gedeihen, Wachstum, für das Schöne und das Vertrauen. All das wird gebraucht und geschieht in der Meditation, wenn Stille einkehrt. Alles Erwähnte sind Kinder der Liebe, denn ohne Liebe entwickelt sich gar nichts!

Das Paradoxe dabei ist, dass die Liebe in ihrer wahren Form erst durch die Meditationspraxis gedeiht. Deshalb ist Geduld so immens wichtig!!

Der Weg zum inneren Raum der Meditation

In diesem Beitrag möchte ich mich in der Hauptsache zwei Fragen widmen:
Welche Bedingungen muss ich erfüllen, um den inneren Raum der Meditation betreten zu können?
Und welche Bedeutung hat Meditation für meinen eigenen, inneren Frieden und für den sogenannten äußeren Frieden in meiner Umgebung?


Bevor man mit Meditation beginnt, sollte man sich allerdings fragen, warum man überhaupt damit beginnen möchte?

Jonathan Cosens, lizenzfreie Bilder auf unsplash.com

Meditation ist eine Expedition nach innen! Dazu muss man bereit und entschlossen sein. Was wir auf dem weitgehend unbekannten Terrain unseres Innenlebens des Geistes finden, wird nicht immer angenehm sein, aber es ist letztendlich eine große Chance, mehr Glück, Zufriedenheit, Liebe und Gelassenheit in sich selbst zu entwickeln.
Wir lernen uns von Grund auf neu kennen und lernen, in den vielen Situationen unseres Lebens, unnötiges Leid zu vermindern oder gar ganz zu vermeiden.

Aber was ist Meditation überhaupt?
Meditation ist zunächst einmal ein Prozess bewusst herbei geführter körperlicher und vor allem geistiger Entspannung, gefolgt von Einsichten und Klarblick auf die Funktionsweise des Geistes.

Die erste zu erfüllende Bedingung:
Nur wenn ich entspannt bin, kann ich loslassen, mich hingeben, mich mir selbst öffnen.
Nur wenn ich entspannt bin, habe ich die Möglichkeit, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind. Meditation ist gekennzeichnet durch eine offene, akzeptierende, innere Haltung und eine klare Sicht auf das, was gerade in mir und um mich herum geschieht.

Wenn man sich diese Definition vor Augen führt, kann vor dem inneren Auge das Bild eines entspannt offenen und neugierigen Beobachters entstehen. Die Stille im Auge eines Orkans könnte dafür eine passende Metapher sein. Um die Erfahrung von Meditation zu verbildlichen, stelle ich mir auch gerne vor, auf einer Parkbank zu sitzen und meine Sinneseindrücke wahrzunehmen, ohne mich benennend und bewertend damit zu beschäftigen. Sie kommen und sie gehen ohne meine Interaktion. Ich ruhe in mir selbst.
Die entspannte Haltung sollte aber nicht mit Passivität verwechselt werden. Auch im Prozess der Meditation, nehme ich am Leben und an der Gestaltung meiner Umstände und der Umstände in meiner Umgebung teil. Der Unterschied zwischen meditativer Haltung und nicht meditativer Haltung besteht darin, dass ich im meditativen Prozess aus einer tieferen und klareren Geisteshaltung heraus agiere, ohne spontan und gewohnheitsmäßig ablehnend, anhaftend oder bewertend zu reagieren.

Wie kann ich nun in den Prozess der Meditation hinein finden?
Ich habe Entspannung und Loslassen erwähnt. Sie sind unbedingte Voraussetzungen auf dem Weg zur Meditation. Und ich habe erwähnt, dass meine entspannte Haltung keine Passivität ist.
Wenn ich Körper und Geist entspanne, werde ich dabei nicht schläfrig, sondern ich begebe mich in eine innere Haltung der Offenheit und Akzeptanz mir selbst gegenüber. Dabei lausche ich genau auf das, was geschieht. Das nennt man Achtsamkeit.

Achtsamkeit ist die zweite zu erfüllende Bedingung.
Wir können nun sagen, dass der Entschluss mich zu entspannen und der Entschluss dabei achtsam zu bleiben, unbedingte Voraussetzungen sind, um Meditation überhaupt gelingen zu lassen.
Wer sich zur Meditation setzt und sich zur Entspannung von Körper und Geist entschließt und dabei seine Achtsamkeit nach innen wendet, wird unweigerlich feststellen, dass sein Geist nicht unbedingt dazu bereit ist einfach zu lauschen. Der Geist ist gewohnt beschäftigt zu sein.

Auf unserer inneren Bildfläche tauchen Gedanken auf, Gefühle und Emotionen und auch unser Körper meldet sich mit Empfindungen.
Es geschieht also sehr schnell, dass sich unser Geist in Gedanken verstrickt, sich mit aufkommenden Gefühlen und Emotionen beschäftigt und in Konflikt mit Körperempfindungen gerät. Wir finden uns auf der Ebene von Hindernissen wieder, die aus Ablehnung, Begehrlichkeit, manchmal Trägheit, ganz sicher aber aus Ablenkbarkeit und Unruhe und aus Zweifel bestehen. Die Hindernisse können in der Form von Langeweile auftauchen, oder mit der Idee, dass ich mir jetzt lieber woanders die Zeit vertreiben könnte. Es kann sein, dass mir verrückte Gedanken durch den Kopf gehen, die mich ablenken oder ich kann ins Grübeln darüber verfallen, ob das, was ich hier mache, überhaupt Sinn macht. Es sollte nicht wundern, denn diese 5 genannten Hindernisse haben alle Menschen. Sie sind uns angeboren.

Was kann ich tun, wenn ich nun schon einmal bereit bin, mich auf das Abenteuer der Meditation einzulassen, mir aber Hindernisse dabei begegnen? Die Bedingungen der Entspannung und der Achtsamkeit haben wir kennen gelernt.

Die dritte Bedingung ist die Verwendung einer Methode.
In der stillen Sitzmeditation, die im Buddhismus traditionell geübt wird, nutzt man die Methode der Atembetrachtung.Unser vegetatives Nervensystem sorgt dafür, dass ich meinem Ausatem und Einatem ganz entspannt und achtsam folgen kann, ohne dass ich darüber nachdenken muss.
Die Methode besteht in diesem Fall also darin, dem Prozess des Atems zu folgen und die Achtsamkeit auf den Atem als Anker, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann, für meinen Geist zu verwenden. Wenn ich achtsam bin, kann ich die genannten Hindernisse erkennen, sobald sie auftauchen. Dafür sorgt meine Achtsamkeit.
Selbstverständlich gibt es noch eine sehr große Anzahl anderer Methoden. Letztlich kommt es aber nicht darauf an, welche Methode man wählt. Die Wahl der Methode richtet sich nach den persönlichen Vorlieben und Möglichkeiten. Ganz klar sollte allerdings verstanden werden, dass ohne eine Methode aus der Meditation nichts wird.

Le Minh Phuong, lizenzfreie Bilder auf unsplash.com


Die vierte Bedingung, die zu erfüllen ist, ist der Entschluss, mich nicht für das Aufkommen von Hindernissen zu tadeln, sie nicht zu bewerten oder zu verurteilen, sondern sie entspannt einfach kurz wahrzunehmen, sie für diesen Moment als existent zu akzeptieren und mich dazu zu entschließen, zu meiner Methode der Atembetrachtung zurückzukehren.

Die fünfte Bedingung ist Geduld. Ich muss Geduld für mich selbst aufbringen, denn mein Geist ist zwar lernfähig und auch willig, aber er muss mit Konsequenz und Geduld dazu gebracht werden, bei der Atembetrachtung zu bleiben und nicht mit den Hindernissen im Gepäck auf Wanderschaft zu gehen.Geduld aufzubringen, dürfte für viele Menschen die schwierigste zu erfüllende Bedingung sein. Viele Menschen sind zwar motiviert, Meditation zu erlernen, scheitern aber sehr bald, weil ihnen die nötige Geduld fehlt. Ich vergleiche das Üben der Meditation gerne mit einem Akrobaten, der den Balanceakt auf einem dünnen Seil übt. Wie oft wird er von Neuem anfangen müssen, bis die ersten Schritte gelingen? Es braucht geduldige Übung.
Wir haben also 5 Bedingungen zu erfüllen. Den Entschluss mich zu entspannen und loszulassen, die wache und entspannte Achtsamkeit, die Verwendung einer Methode, das gleichmütige Erkennen und Annehmen von Schwierigkeiten und das Aufbringen von Geduld.Ganz am Anfang steht, wie erwähnt, die selbstehrliche Prüfung, ob man bereit und entschlossen ist, eine Reise nach innen anzutreten.

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Mit der zweiten Frage, die der Bedeutung von Meditation für inneren und äußeren Frieden gilt, kommen wir zum Zweck von Meditation.
Zunächst einmal muss man wissen, dass Meditation nur in zwei Richtungen gehen kann. Die eine der beiden Richtungen ist die Ruhe, in Pali auch Samatha genannt, also das Beruhigen meines Geistes, sodass er, wie beschrieben, nicht mit meinen Hindernissen im Gepäck auf Wanderschaft geht. Die andere Richtung ist Einsicht in mich selbst. Diese Einsicht bedeutet erlebtes und erspürtes Erkennen dessen, was in diesem Moment geschieht. Diese Richtung wird in Pali Vipassana genannt. Samatha, die Ruhe,  ist ist das Mittel, um den Zweck der Einsicht in mich selbst, also Vipassana, zu erleben.
Vipassana ereignet sich in dem Moment, in dem ich aufkommende Hindernisse als solche klar erkenne und nicht verurteile. Die Ruhe erlaubt mir, nicht an den Hindernissen anzuhaften, sondern loszulassen und zu meiner Methode zurückzukehren.

Die genannten 5 Hindernisse  befinden sich auf oberster Ebene unseres Bewusstseins. Im Alltag haben wir andauernd mit ihnen zu tun. Mit zunehmender Übung gelangen wir in tiefere Ebenen unseres Bewusstseins. Wir erleben die Tiefe unseres Geistes.Je tiefer wir gelangen, desto klarer und transparenter wird uns, dass unsere Gedanken, Gefühle und Emotionen Geistesformationen sind, die uns unablässig von der reinen Natur unseres Geistes wegführen. Es sind Phänomene, die wir mit der Wirklichkeit verwechseln. Mit zunehmender Übung gelingt es uns also, aus dem Konflikt mit unseren Hindernissen auszusteigen und ihnen ihre Macht über uns zu nehmen. Wir erkennen uns selbst und die Dinge ohne Konflikt und erleben inneren Frieden.
Innerer Frieden ist der einzige Frieden, den es gibt. Er ist die Vorbedingung dafür, dass sich äußerer Frieden einstellen kann.

Die Kette der Freundlichkeit

Vor ungefähr 30 Jahren hatte ich die Gelegenheit, in Deutschland bei einem Apache-Indianer an einem Workshop teilzunehmen.


Es war ein Workshop, wie es sie als Selbsterfahrungskurse viele gab und gibt, mit bioenergetischen Übungen, Yoga und Meditation.
Das Besondere an diesem Workshop war, dass der Referent auch aus der Weltsicht seiner indianischen Herkunft erzählte.

Mir ist bis heute seine Beschreibung der Zusammenhänge von Ursache und Wirkung klar in Erinnerung geblieben.

Alles was wir, ausgehend von einer Absicht, aussenden, ob als Gedanke oder Handlung, nimmt seinen Weg durch das Universum, lädt sich auf seinem Weg mit eben dieser Qualität und Intention auf und kehrt zu uns zurück.

Logischerweise erzeugen wir dadurch gute oder schlechte Resultate, je nachdem was wir ausgesendet hatten.

In viel späteren Jahren lernte ich die buddhistische Nonne Pema Chodron über ihre Bücher kennen und damit auch die buddhistische Weltsicht.


Alle Wesen mögen glücklich sein.

So lautet ein Kernsatz buddhistischer Weltsicht. Und wenn ich von alle rede, meine ich damit natürlich auch mich selbst.
Alles was ich denke und wie ich handele, hat Einfluss auf meine Umgebung und in der Folge auch auf mich selbst. Aus diesem Grund hat die Gebefreudigkeit im Buddhismus einen sehr hohen Stellenwert.

Diese Weltsicht kennen wir nicht nur aus indianischen Traditionen oder aus dem Buddhismus, sondern unter Anderem auch aus christlicher Sicht, wenn wir von Nächstenliebe sprechen.

Ausgehend von dieser verbindenden Affirmation, hat sich mehr oder weniger kollektiv die Kette der Freundlichkeit entwickelt.

Für mich persönlich bedeutet es, dass ich Verdienste oder Leistungen nicht immer für mich behalte, sondern weiter gebe. Wenn man so will, nähre ich damit die Welt mit guter Energie, wodurch die Welt auch wieder für mich sorgt, weil ich verbundener Teil dieser Welt bin.

Auf sehr einfache, direkte und pragmatische Weise, kann man es durch ein Lächeln verifizieren, dass man anderen schenkt.
Es kommt (meist) auf direktem Wege zurück.

Wandelzeit

Wir leben in einer historischen Wandelzeit!

Tiefgreifend, allgegenwärtig, unumkehrbar ist das, was wir in diesen Jahren erleben.

Ich selbst erlebe mich in diesen Zeiten als sehr aufgewühlt und von Gewohnheiten entwurzelt. Gleichzeitig weiß ich genau, dass es eine Übergangsphase ist, die von mir eine klare Entscheidung erwartet.
Habe ich den Mut, mich von Sicherheit suggerierenden Gewohnheiten los zu sagen und dafür Neues mit offenen Armen in Empfang zu nehmen, das von mir die volle Verantwortung für mein Denken und Handeln abverlangt? Oder ziehe ich mich zurück in mein Schneckenhaus der Sicherheit und Wägbarkeit und überlasse anderen die Entscheidung über mich?

Während die Einen in Herz und Kopf die Einsicht tragen, dass sich in diesen Jahren eine tiefgreifende, allgegenwärtige und unumkehrbare Veränderung der Lebensumstände und des Miteinanders vollziehen muss und das auch tut, gehen Andere den bürokratischen Weg und meißeln Verordnungen für veränderte Lebensumstände und des Miteinanders in Stein!
Natürlich, die Zielsetzungen der Einen und der Anderen sind nicht die selben. Während sich die Einen intuitiv vom Herzen und im Detail vom herzgeführten Verstand leiten lassen und das Bild einer konstruktiven Gemeinschaft aus Tier, Mensch und Natur verinnerlichen, wählen die Anderen den Weg kontrollierter Gewalt mit dem Ziel der Zentralisierung von Macht und Kontrolle mit vor allem technischen Mitteln.

Beide Seiten könnten kaum weiter voneinander entfernt sein.

Diejenigen, welche noch nicht wirklich wissen, wohin sie sich zählen, lernen den Schmerz des Loslassens, der Vergänglichkeit und Veränderung und das bange Gefühl tiefer Verunsicherung kennen.

Beide Seiten wissen, dass Mensch seit dem Beginn der industriellen Revolution den gemeinsamen Lebensraum und die Art des Miteinanders in einer Weise verändert hat, die für weitere Jahrzehnte nicht mehr möglich sein wird.

Wir alle nehmen an einer Reifeprüfung teil.

Die Prüfung, vor welche uns die Probleme dieser Epoche stellen, entscheidet für jeden darüber, ob er den Weg der Verantwortung und Selbstverantwortung gehen will und den Mythos der Sicherheit aufzugeben bereit ist und dafür Freiheit mit dem Gefühl der Unsicherheit anstrebt und dafür die Selbstbestimmung behält.

Die andere Alternative ist die Unterordnung unter ein bürokratisches System mit dem Verzicht auf Freiheit und mit der Anerkenntnis einer führenden und alles bestimmenden und kontrollierenden Macht.

Ganz gleichgültig, wofür wir uns entscheiden – wir sollten es schnell tun, denn jeder Tag hält in immer kürzerer Abfolge Prüfungen bereit, die sich in Ereignissen und Entscheidungssituationen verbergen.

Den Schmerz der Ablösung, des Loslassens, die Notwendigkeit des Mutes zur Neuorientierung, werden die freiheitsliebenden sofort spüren.
Den Schmerz der Unfreiheit und Fremdbestimmung, werden diejenigen, welche sich lieber unterordnen, dagegen etwas später erfahren.

Wähle Freiheit und Selbstbestimmung oder Fremdbestimmung und Gehorsam!

Man kann es bezeichnen wie man will: Intelligenz des Herzens oder die Fähigkeit des menschlichen Geistes, Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung zu erkennen oder man erkennt es vielleicht als Hingabe an göttliches Geführtsein, wenn man den Weg der Freiheit geht. Die Verantwortung liegt dann einzig in der Akzeptanz der Konsequenzen aus den selbst getroffenen Entscheidungen.

Man kann es Sicherheit nennen, Sorglosigkeit, Alternativlosigkeit und Voraussehbarkeit, wenn man den Weg der Fremdbestimmung geht. Dann liegt die einzige Verantwortung in der Akzeptanz von Gehorsam.

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